Wegen Gendersternchen: KPÖ-Abgeordneter zitiert aus AfD-Rede

Entgleisung bei der Gemeinderatssitzung in Bruck/Mur

Gendersternchen
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Die obersteirische Stadt Bruck/Mur wird künftig ihre Bürger:innen geschlechtsneutral ansprechen und dafür das Gendersternchen verwenden. Das hat der Gemeinderat der knapp 13.000 Einwohner zählenden Stadt gestern beschlossen. Dem Beschluss ging allerdings eine beispiellose Entgleisung eines kommunistischen Mandatars voraus.

„Gendervariable, Intersexuelle, Nichtbinäre, Pangender“

So begann KPÖ-Gemeinderat Thomas Pierer seine Rede, in der er sich gegen die geschlechtsneutrale Ansprache aussprach, mit einer zweieinhalb Minuten dauernden Anrede: Wie die Kleine Zeitung berichtet, begann diese mit „Liebe Schwule, Lesben, Bigender“, dann setzte Pierer fort und begrüßte unter anderem „Frau zu Mann, Gendervariable, Intersexuelle, Nichtbinäre, Pangender“.

Zwischendurch ermahnte Bürgermeister Peter Koch von der SPÖ, die Anrede zu unterbrechen, da diese nur als abwertende „ironische Beschreibung von Menschen, die eine bestimmte Identität haben“ verstanden werden könne. Doch dadurch ließ sich Pierer nicht beeindrucken – er setzte seine spöttische Anrede weiter fort.

Der Bürgermeister von Bruck/Mur ist empört

„Ich bin entsetzt, weil dieser Vortrag diese Gruppen der Gesellschaft der Lächerlichkeit preisgibt“, ärgerte sich der Brucker Bürgermeister nach Pierers Rede – er hätte sich von einem Abgeordneten der KPÖ „anderes erwartet“. Doch da wusste er noch nicht, woher der KPÖ-Abgeordnete die Inspiration für seine Rede hatte. Denn wie die SPÖ später herausgefunden hatte, war die der Beginn von Pierers Rede im Brucker Gemeinderat praktisch ident mit jener, die Steffen Königer, Abgeordneter der rechtsextremen AfD, am 9. Juni 2016 im Landtag von Brandenburg gehalten hatte. 

„Dieser skurrile KPÖ-Auftritt spricht leider Bände über das Weltbild, das anscheinend von der KPÖ in Bruck vertreten wird“, ist SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner empört: „Sich auf eine Stufe mit der AfD zu stellen ist genau das Gegenteil einer Politik, die sich an Vielfalt und Respekt orientiert.“

KPÖ distanziert sich, Pierer entschuldigt sich

Auch die KPÖ stellte klar, dass Pierer mit seinen Aussagen nicht die Linie der Partei vertreten hatte und distanzierte sich von den Äußerungen. Der Brucker Gemeinderat habe Aussagen getätigt, „die in keiner Weise den Ansprüchen genügen, die wir uns als emanzipatorische Partei selbst auferlegt haben“, heißt es in einer Stellungnahme.

Und auch Thomas Pierer selbst hat einen Rückzieher gemacht. „Ich entschuldige mich dafür, eine Wortwahl getroffen zu haben, über deren Wirkung ich mir nicht bewusst war“, sagt er. Eigentlich wollte er aufzeigen, „dass die SPÖ sich zwar um eine gendergerechte Sprache bemüht, aber keine echte Gleichstellungspolitik macht“. Dass er durch seine „unüberlegte Wortwahl“ nun genau jene Personengruppen diffamiert habe, tue ihm leid. Pierer kündigte an, sich in der nächsten Gemeinderatssitzung noch einmal öffentlich zu der Angelegenheit zu äußern und sich auch zu entschuldigen.