Frankreich: Blutspende ohne Diskriminierung ab März

Keine verpflichtende Enthaltsamkeit für schwule und bisexuelle Männer ab März

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Ab 16. März können schwule und bisexuelle Männer in Frankreich diskriminierungsfrei Blut spenden. Das hat Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag angekündigt. Derzeit dürfen Männer in Frankreich vier Monate vor der Blutspende keinen gleichgeschlechtlichen Sex haben. Künftig ist nur das persönliche Risikoverhalten entscheidend, nicht die Zugehörigkeit zu einer mutmaßlichen Risikogruppe.

„Wir beenden eine Ungerechtigkeit, die nicht mehr zu rechtfertigen war“

„Wir beenden eine Ungerechtigkeit, die nicht mehr zu rechtfertigen war“, so Gesundheitsminister Véran auf Twitter. So soll der Fragebogen, der vor einer Blutspende ausgefüllt werden muss, künftig nicht mehr auf Männer, die Sex mit Männern haben, Bezug nehmen. 

Véran betonte, die neue Regelung sei das Ergebnis eines umfangreichen Beratungsprozesses mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen, um nicht nur für eine diskriminierungsfreie Blutspende zu sorgen, sondern auch die Sicherheit der Spenden zu gewährleisten.

Wer PrEP oder PEP nimmt, muss vier Monate warten

„Im Jahr 2013 habe ich als Parlamentarier dieses Thema der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und der fehlenden Grundlage angesprochen“, so Véran: „Als Minister bin ich stolz darauf, dem ein Ende zu setzen.“ Die neuen Richtlinien seien „ein großer Fortschritt, den wir dank eines beispielhaften Dialogs mit allen Verbänden erreicht haben“.

Stattdessen soll abgefragt werden, ob „präventive Medikamente vor oder nach einem HIV-Risikokontakt“ eingenommen wurden – der potenzielle Spender also die PrEP nimmt oder eine PEP genommen hat. Zwischen der letzten Einnahme eines der Medikamente und der Blutspende müssen dann mindestens vier Monate liegen.

Seit 2016 können schwule und bisexuelle Männer Blut spenden – mit Einschränkungen

Frankreich hatte – wie viele andere Staaten – Männer, die Sex mit Männern haben, im Zuge der Aids-Krise ab 1983 von der Blutspende ausgeschlossen. Ab 2016 konnten dann schwule und bisexuelle Männer in Frankreich Blut spenden. Allerdings müssen die Spender zwölf Monate gleichgeschlechtlich enthaltsam leben, um ihr Blut weitergeben zu können. Im Jahr 2020 wurde diese Frist dann auf vier Monate reduziert. Das Ziel war schon damals eine vollkommen diskriminierungsfreie Blutspende.

In Österreich hat das Gesundheitsministerium verfügt, dass Männer vier Monate nach dem letzten gleichgeschlechtlichen Sex Blut spenden dürfen. Das Rote Kreuz als größte Blutspende-Organisation verlangt allerdings nach wie vor zwölf Monate Enthaltsamkeit. Trans Personen sind von der Blutspende praktisch vollständig ausgeschlossen.