Spionage-Apps für WM-Fans in Katar verpflichtend

Zugriff auf alle Daten: "Wenn du Schwule jagst, macht dir das so eine App einfacher"

Fußball-WM 2022 in Katar
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In wenigen Wochen beginnt in Katar die Fußball-Weltmeisterschaft. Wer wirklich dorthin reist, sollte sein privates Handy lieber zu Hause lassen. Denn wie netzpolitik.org  berichtet, muss man in Katar zwangsweise zwei Apps auf dem Handy installieren, die eine genaue Überwachung möglich machen.

Die „Corona-App“ ist „menschenrechtlich problematisch“

So kann die App Ehteraz, die eigentlich zur Nachverfolgung von Corona-Infektionen dienen soll, auf alle Daten des Handys zugreifen, WLAN- und Bluetooth-Verbindungen überwachen und den genauen Standort auslesen. Diese Daten werden nicht auf dem Handy, sondern in einer zentralen Datenbank gespeichert.

Damit kann die App genau nachverfolgen, wohin man geht und welche anderen Mobiltelefone sich in der Nähe befinden. “Wenn du die Opposition jagst, Schwule, oder andere, die du nicht magst, dann macht es dir so eine App viel einfacher”, so der Sicherheitsexperte Martin Gravåk gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK .

Tausche Gratis-Öffis gegen die Weitergabe aller persönlichen Daten

“Menschenrechtlich problematisch bis gefährlich in Bezug auf willkürliche Überwachung und Verletzungen von Privatsphäre sowie Datenschutz”, lautete bereits im Sommer 2020 das Urteil der Menschenrechtsorganisation Amnesty International über die App.

Auch die zweite Pflicht-App, Hayya, fragt kritische Daten ab. Sie ist unter anderem für die Einreise und den Besuch im Stadion sowie die kostenlose Öffi-Benutzung zwingend notwendig.

Die App könne unter anderem den Standort auslesen, das Smartphone hindern, in den Schlafmodus zu gehen, und Netzwerkverbindungen überwachen. Außerdem könne sie persönliche Informationen “fast ohne Einschränkungen” weitergeben, berichtet NRK.

Solche Apps machen die Überwachung sexueller Minderheiten einfach

Wie gefährlich solche Apps sein können, zeigt ein jüngst veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) über die Lage sexueller Minderheiten in Katar.

Dazu berichteten sechs queere Menschen über Polizeiwillkür, die sie selbst erlebt hätten – und darüber, dass Sicherheitsbeamte als erstes ihre Mobiltelefone widerrechtlich durchsucht hätten. Ein schwuler Mann gibt an, dass er nur aufgrund seiner Online-Aktivitäten überwacht und festgenommen wurde.