Chaos um Affenpocken-Impfungen in Berlin

Weil die Berliner Senatsverwaltung die entsprechenden Verträge nicht rechtzeitig verlängert hatte, mussten die Affenpocken-Impfungen zu Jahresbeginn gestoppt werden – obwohl die Ärzt:innen genügend Impfstoff hatten. Nachdem das Chaos öffentlich wurde, wurden die Verträge zügig verlängert.

Sujetbild: Affenpocken-Impfung
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Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet, konnten in Berlin zu Beginn des Jahres keine Impfungen gegen Affenpocken durchgeführt werden. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, die im Bereich der Grünen Senatorin Ulrike Gote liegt, hatte zwei wichtige Verträge auslaufen lassen.

Die Verträge konnten bis zum Jahreswechsel nicht verlängert werden

Der eine Vertrag regelte die Logistik und den Transport des Impfstoffs, der andere die Abrechnung der entsprechenden Leistungen bei den Krankenkassen. Denn Affenpocken-Impfungen sind keine Kassenleistung, deshalb hatte das Land Berlin die Kosten übernommen.

Doch beide Verträge liefen mit Jahresende aus. Am 2. Jänner wurden die Praxen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) informiert, dass nach dem Jahreswechsel vorerst keine Impfungen mehr durchgeführt werden können. Eine Verlängerung „zu den bisherigen Konditionen“ sei nicht möglich gewesen, so die KV.

„Mittlere dreistellige Zahl“ an Impfterminen abgesagt

Das führte dazu, dass offenbar eine „mittlere dreistellige Zahl“ an Impfterminen abgesagt werden musste, wie die rbb weiter berichtet. Das betreffe vor allem Termine zur zweiten Impfung, aber auch Erstimpfungen von Patient:innen, die im letzten Jahr keine Termine mehr bekommen hätten.

So musste eine Praxis im Stadtteil Friedrichshain pro Tag 30 bis 60 Impftermine absagen. Das heißt, jeden Patienten einzeln anrufen, und jetzt mit ihm wieder einen neuen Termin vereinbaren. Denn nachdem der rbb am Mittwoch darüber berichtet hatte, ging es in der Senatsverwaltung plötzlich ganz schnell.

Nach ersten Medienberichten ging es plötzlich ganz schnell

„Der Vertrag wurde inzwischen unterzeichnet, sodass die Finanzierung der Impfungen wieder sichergestellt ist“, so ein Sprecher kurz nach der Veröffentlichung des Berichts. Man bitte, die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Es kam „verwaltungsintern zu Verzögerungen“, hieß es bei der Senatsverwaltung weiter.

Berlin war im Sommer das Zentrum der Affenpocken-Epidemie in Deutschland. 45 Prozent aller Fälle wurden in der Hauptstadt registriert, vor allem unter Männern, die Sex mit unterschiedlichen Männern haben. 

Deshalb wäre eine hohe Durchimpfungsrate wichtig, um auch gegen eine neue Infektionswelle vorzubeugen betonen Expert:innen. Doch ob alle, deren Impftermin abgesagt wurden, sich jetzt in den Praxen ihre Impfung abholen und sich so gegen Affenpocken schützen, darf bezweifelt werden.