Mittwoch, 29. Mai 2024
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Schwulenfeindlicher Angriff auf der Grünen Woche – und niemand hilft

Die Grüne Woche in Berlin ist die größte Landwirtschaftsmesse der Welt. Doch man lernt dabei nicht nur kulinarische Spezialitäten aus aller Welt kennen – sondern erfährt auch, dass man als heterosexueller Mann nicht vor homophoben Beleidigungen gefeit ist. Inklusive dem Gefühl, dem gegenüber wehrlos zu sein.

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Wie die Berliner Boulevardzeitung B.Z.  berichtet, war Niclas T., ein 25 Jahre alter Student aus Thüringen, mit seiner Partnerin und Freunden auf der Grünen Woche in Berlin unterwegs, als er aus einer anderen Besuchergruppe heraus schwulenfeindlich beleidigt wurde.

„Ich bombe dich um, du Schwuchtel“

Zunächst beleidigten die sichtlich Betrunkenen den Studenten mit abwertenden Begriffen. Doch dann soll ein Mann aus der Gruppe auf den Thüringer zugestürmt sein und die Worte „Ich bombe dich um, du Schwuchtel!“ gebrüllt haben. Ein anderer Besucher konnte den Angreifer gerade noch zurückhalten, erinnerte sich der Betroffene.

Beim Versuch, die Situation zu melden, stieß der 25-Jährige schnell an Grenzen: „Nach dem Vorfall suchte ich Hilfe von Mitarbeitern der Messe und sprach auch mehrere an. Doch die nahmen mich nicht ernst. Einer spielte die gefährliche Situation sogar herunter und sagte, ich solle einfach weghören“, sagt er der B.Z.

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Keiner fühlte sich wirklich zuständig

Der Mitarbeiter eines Informationsstandes empfahl ihm, den Vorfall in einer E-Mail zu schildern. Ein Security-Mitarbeiter erklärte ihm, er könne nichts tun, und die Polizei zu rufen, könne sehr lange dauern. Dass es vor Ort eine Polizeiwache gab, hat Niclas T. erst später bei Recherchen im Internet erfahren.

„In dem Moment habe ich eine Minderheit vertreten und mir wurde nicht das Gefühl gegeben, dass man mich versteht. Ich wurde beleidigt und bedroht, trotzdem ist die Security nicht auf mich eingegangen“, ärgert sich der 25-Jährige. Die Messe Berlin betonte in einer Stellungnahme „ausreichend geschultes Sicherheitspersonal“ einzusetzen.

Der Betroffene hat mittlerweile Anzeige erstattet

Die Gruppe mit den betrunkenen Angreifern ging nach dem Vorfall übrigens einfach weiter – unbehelligt und ohne Konsequenzen. Wie so oft, wenn Menschen homo- oder transfeindlich beleidigt werden. Niclas T. hat mittlerweile Anzeige erstattet.

Wer in Berlin Opfer von Hasskriminalität wird, kann auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben. Außerdem gibt es bei der Berliner Polizei zwei Ansprechpersonen für LSBTI . Sie sind unter der Telefonnummer +49(0)30/4664 979 444 erreichbar. Beim schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo können LGBTI-feindliche Straftaten aus Berlin über die Webseite  oder das Überfalltelefon unter der Nummer +49/(0)30/216 33 36 (täglich von 17 bis 19 Uhr) gemeldet werden.