Freitag, 31. Mai 2024
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Mob verprügelt LGBTI-Aktivisten in Bosnien

Im serbischen Teil Bosniens haben am Samstag dutzende Männer nach dem Verbot einer Veranstaltung Jagd auf LGBT-Aktivist:innen gemacht. Die EU-Mission und der britische Botschafter machen bosnisch-serbische Politiker für die Gewalt mitverantwortlich.

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Die Aktivist:innen trafen sich am Samstagabend im Büro der bosnischen Sektion von Transparacy International in Banja Luka, nachdem ein LGBTI-Event, das am Sonntag stattfinden sollte, von der Polizei verboten wurde.

Nachdem sie das Büro verließen, wurden sie von dutzenden Männern gejagt

Die Aktivist:innen berichteten, dass sie von mehreren Dutzend Männern durch die Straßen gejagt wurden, nachdem sie das Büro verlassen hatten. Die Männer hätten Beleidigungen gebrüllt und sie verprügelt. Berichten lokaler Medien zufolge sei die Polizei vor Ort gewesen, habe aber nicht eingeschritten.

Bei dem Angriff wurden drei Aktivist:innen verletzt, sie mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei teilte mit, dass sie die Aktivist:innen zur Wache eskortiert und ihre Aussagen aufgenommen hätte. Nun fahnde sie nach den Angreifern. Mit welchem Nachdruck diese Fahndung passiert, ist allerdings unklar.

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EU-Mission und mehrere Botschaften verurteilen den Angriff

Die Europäische Union und die Botschaften mehrerer Länder verurteilten den Angriff auf die LGBTI-Aktivist:innen. „Worte haben Konsequenzen“, witterte etwa die EU-Mission in Bosnien und Herzegowina. Die häufigen verbalen Angriffe bosnisch-serbischer Politiker gegen Bürgerrechtsaktivisten und Journalisten führten zu „einem Klima, in dem physische Angriffe folgen können“.

Der britische Botschafter Julian Reilly schrieb auf Twitter, der „schockierende Angriff auf Bürgeraktivisten zeigte die reale Wirkung von Hassrede“. Die US-Botschaft forderte, dass die Behörden die Täter vor Gericht bringen.

Bosnisch-serbische Politiker hetzen gegen die LGBTI-Community

Dem Angriff vorausgegangen waren entsprechende Aussagen bosnisch-serbischer Politiker. So hatte der bosnisch-serbische Präsident Milo Dodik Angehörige der LGBTI-Community als „Belästigen“ bezeichnet und gemeint, er hoffe, dass die Behörden sowohl ein Treffen in geschlossenen Räumen als auch in der Öffentlichkeit verbieten würden.

Drasko Stanikovic, der Bürgermeister von Banja Luka, richtete den LGBTI-Aktivist:innen aus, sie mögen ihre Aktivitäten auf die multiethnische bosnische Hauptstadt Sarajevo konzentrieren. Bosnische Serben würden „patriarchale, traditionelle Familien“ pflegen.