Samstag, 20. April 2024
Der Film ist ein gutes Beispiel für feinfühliges, nuanciertes Kino, das die Komplexität des menschlichen Lebens einfängt.
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„Something You Said Last Night“: Italienisches Familienchaos etwas anders

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„Something You Said Last Night“, das Regiedebüt der kanadisch-italienischen Filmemacherin Luis De Filippis, ist ein bemerkenswerter Beitrag zum Kino, der sich durch seine Einfühlsamkeit auszeichnet.

Für Hauptdarstellerin Ren verändert sich gerade ihr Leben

Der Film folgt der Ren, gespielt von der talentierten Carmen Madonia, einer trans Frau in Mitte 20, die Schriftstellerin werden möchte und gerade ihren Job verloren hat. Sie macht zusammen mit ihrer Familie, bestehend aus ihrer jüngeren Schwester Sienna (Paige Evans) und ihren italienischen Eltern Mona (Ramona Milano) und Guido (Joey Parro), Urlaub in einer Hütte.

Noch weiß ihre Familie nicht, dass sie ihren Job verloren hat. Doch im Wissen, dass Ren nach den Ferien noch mehr auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sein wird, fühlt sich das Ferienhaus für sie immer beengender an.

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Es geht in dem Film um familiäre Dynamiken – mit einer trans Tochter

Mittelpunkt von „Something You Said Last Night“ sind die familiären Dynamiken, die auf den alltäglichen und kleinen Dramen basieren, die jedem bekannt vorkommen dürften, der schon einmal einen Familienurlaub erlebt hat. Verlorene Schlüssel, Meinungsverschiedenheiten über das Rauchen einer E-Zigarette, Flirtversuche und die Vernachlässigung, die Mutter anzurufen, sind nur einige der Vorkommnisse, die die Zuschauer:innen erwarten können.

Luis De Filippis gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl spezifisch als auch universell ist, indem sie die alltäglichen Herausforderungen und Freuden des Familienlebens einfängt, ohne dabei auf die gängigen Klischees oder Traumata zurückzugreifen, die oft mit Transgeschichten verbunden sind.

Ren ist eine komplexe Figur, die sich erfrischend von Gewohntem abhebt

Ren wird als komplexe Figur dargestellt, was deutlich von den üblichen eindimensionalen Darstellungen von trans Personen abweicht. Der Film vermeidet bewusst die Darstellung von Rens Transgeschlechtlichkeit als zentrales Konfliktelement, und obwohl es familiäre Konflikte gibt, werden diese nie auf Rens Geschlechtsidentität zurückgeführt.

Madonia liefert eine nuancierte Darstellung von Ren, die sowohl ihre innere Unsicherheit als auch ihr Streben nach Unabhängigkeit und Anerkennung einfängt. Der Film nutzt das Medium des Kinos auf subtile Weise, um die inneren Kämpfe und Freuden seiner Charaktere zu erforschen, ohne dabei auf überspitzte Dramatik zurückzugreifen.

„Something You Said Last Night“ ist mehr als nur ein Film

Besonders hervorzuheben ist die visuelle Gestaltung des Films, die von Kameramann Norm Li auf 35-mm-Film festgehalten wurde, was dem Ganzen eine nostalgische Qualität verleiht und die Erinnerungen an vergangene Familienurlaube wachruft.

„Something You Said Last Night“ ist mehr als nur ein Film; es ist ein bedeutendes Werk, das die Notwendigkeit unterstreicht, vielfältigere und reichhaltigere Erzählungen im Kino zu fördern. Es handelt sich um eine liebevolle, wenn auch komplexe Betrachtung des Familienlebens, die das Publikum dazu einlädt, über die Beziehungen und Bindungen nachzudenken, die uns prägen.

Luis De Filippis hat mit ihrem Debütfilm ein beeindruckendes Zeugnis dafür abgelegt, dass es möglich ist, Geschichten zu erzählen, die sowohl tiefgründig als auch hoffnungsvoll sind, und dabei Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen, deren Leben und Erfahrungen oft am Rande der Gesellschaft stehen.

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Something You Said Last Night
Kanada/Schweiz 2022 | Tragikomödie | 98 Minuten
Regie: Luis De Filippis | Besetzung: Carmen Madonia, Ramona Milano, Paige Evans, Joey Parro
Der Film ist ein gutes Beispiel für feinfühliges, nuanciertes Kino, das die Komplexität des menschlichen Lebens einfängt.„Something You Said Last Night“: Italienisches Familienchaos etwas anders
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