Russland: Orthodoxe prügeln sich

Den Seinen gibt’s der Herr offenbar auch in der Faust: Auf einem Moskauer Kirchengipfel haben sich Anhänger verschiedener Strömungen der russisch-orthodoxen Kirche eine Massenprügelei geliefert. Parteigänger des Moskauer Patriarchen Alexi II. und ultraorthodoxe Geistliche hätten sich vor der Erlöserkathedrale gegenseitig mit Kreuzen, Ikonen und Fäusten geschlagen, wie die russische Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch berichtete. Die Polizei brachte die Menge auseinander und nahm drei Menschen fest.

Zu dem Zwischenfall am Dienstagabend kam es, nachdem ultrakonservative Wortführer den Rücktritt von Alexi II. wegen dessen angeblicher Regierungsnähe gefordert hatten. Alexi warf den Anhängern des Metropoliten Diomid „religiösen Eifer ohne Vernunft“ vor. Der Patriarch mahnte auf der alle vier Jahre abgehaltenen Bischofsversammlung zu Geschlossenheit. Er betonte, dass die Kirche bisher mit internen Auseinandersetzungen immer selbst fertig geworden sei.

Metropolit Diomid kam aus Gesundheitsgründen nicht nach Moskau. Die Anhänger des Metropoliten forderten, die „Demokratie nicht als politisches System“ anzuerkennen. Sie treten für die Wiedereinführung der Monarchie ein. Außerdem verlangen sie eine konsequente Ausgrenzung von Alkoholikern, Drogensüchtigen und Homosexuellen.

Alexi II. selbst hatte im Vorjahr in einer Ansprache vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats die „Zerstörung moralischer Normen“ in Europa beklagt und eine „neue Generation von Gesetzen“ angeprangert, die im Namen der Menschenrechte „unmoralische Handlungen“ rechtfertigten. Insbesondere verteidigte er die Verbote von Gay Prides in Russland. Sie seien „Propaganda und Werbung für eine Sünde“, erklärte er; Homosexualität sei „eine Krankheit“, die die Persönlichkeit der Menschen verändere.