Berlusconi-Magazin beschattet schwule Priester

Schlagzeilenträchtige Einblicke in das Leben schwuler Priester bietet das italienische Nachrichtenmagazin „Panorama“ in seiner heute erschienenen Ausgabe.

Das Magazin, das zum Medienimperium rund um Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört, hat drei Priester mit versteckter Kamera in der römischen Schwulenszene beobachtet. Dabei wurden sie auch gefilmt, als sie spontanen Sex hatten.

Was viele Beobachter nicht wirklich wundert, macht „Panorama“ zu einem Skandal. „Bei Tag sind sie normale Priester, mit ihrem Kollar, Aber in der Nacht entledigen sie sich ihrer Soutane, wenn sie zu vollständig integrierten Mitgliedern der Schwulenszene der italienischen Hauptstadt werden“, heißt es in einer Vorab-Meldung.

Dabei schreckten die Journalisten vor nichts zurück, wenn es ihrer Story dienlich war: Ein schwuler Lockvogel der Journalisten bat einen der beobachteten Priester, der als „Carlo“ bezeichnet wird, für den Sex die Soutane anzuziehen. Was „Carlo“ nicht wusste: Das erotische Abenteuer wurde mit versteckter Kamera gefilmt.

Dass die Recherchemethoden als zweifelhaft gesehen werden könnten, lässt „Panorama“-Redakteur Giorgio Mule nicht gelten: „Wir haben zwei Wochen recherchiert und wollten keinen Skandal konstruieren, sondern zeigen, dass ein bestimmter Teil der Geistlichkeit sich sehr anders benimmt“.

Die italienische Bischofskonferenz oder der Vatikan gaben bis jetzt keine Stellungnahme zu den Recherchen ab. Prinzipiell steigt Homophobie in Italien an – immer mehr Wohnungsangebote geben an, nicht an Lesben und Schwule zu vermieten.