Ex-Chef der Republikaner outet sich

Etwas verstört ist die amerikanische Lesben- und Schwulenszene von ihrem neuesten Zuwachs: Ken Mehlman, Wahlkampfleiter für George W. Bush und Parteichef der Republikaner von 2005 bis 2007, hat sich nun offiziell geoutet und möchte nun die Anliegen der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender vertreten – die er bisher eher bekämpft hatte.

Mehlmans Homosexualität war in Washington ein offenes Geheimnis. Im November 2006 hat ihn der Comedian Bill Maher sogar in der CNN-Talkshow „Larry King live“ geoutet, diese Passage wurde aber in der Wiederholung herausgeschnitten. Damals bestritt Mehlman, schwul zu sein. Die beiden Blogger Andy Towle und Mike Rogers wollten nun aber seine Homosexualität öffentlich machen. Daraufhin entschied sich Mehlman, in die Offensive zu gehen, und sich selbst zu outen.

„Es hat 43 Jahre gebraucht, um mit diesem Teil meines Lebens zurechtzukommen“, sagte er bei seinem öffentlichen Coming Out. „Jeder muss seinen Weg gehen, seine eigene Reise machen, und ich habe es den letzten Monaten meiner Familie, meinen Freunden, ehemaligen und derzeitigen Kollegen erzählt, und sie waren wunderbar und unterstützen mich. Dieser Prozess hat mich zu einem glücklicheren und besseren Menschen gemacht. Ich wünschte, ich hätte das schon vor Jahren gemacht“, so Mehlman weiter, der nach dem Ende seiner Polit-Karriere als Anwalt arbeitet.

Außerdem kündigte er an, sich nun „mit aller Kraft“ für schwul-lesbische Anliegen einzusetzen. Den Anfang möchte er gerne als Co-Vorsitzender einer hochkarätig besetzten Spenden-Sammelgruppe für die „American Foundation for Equal Rights“ (AFER) machen. Die Organisation setzt sich derzeit besonders für die Abschaffung von Prop 8 ein, dem in der Verfassung verankerten Verbot der Homo-Ehe in Kalifornien. Chad Griffin, Vorsitzender der AFER ist über den Einsatz Mehlmans begeistert.

Doch sonst hält sich die Begeisterung über den Seitenwechsel des ehemals hochrangigen Republikaners innerhalb der Community in Grenzen. Denn während seines Karriere-Höhepunktes hat die Bush-Regierung mit harten Bandagen gegen die Homo-Ehe gekämpft: In 21 US-Bundesstaaten wurde ein Eheverbot in der Verfassung durchgesetzt, während er hohe politische Positionen innehatte. „Ich kann die Tatsache nicht ändern, dass ich nicht persönlich in dieser Position war, als ich in der Politik war, und ich bedauere das ehrlich. Persönlich war das sehr hart für mich“, bedauert er sein spätes Coming Out.