Zahl der HIV-Neudiagnosen geht zurück

Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Österreich geht zurück: Derzeit werden ein bis zwei Fälle neu entdeckt, die Tendenz ist allerdings klar fallend.

So wurde in Österreich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 bei 344 Personen eine HIV-Infektion neu diagnostiziert. Das sind um 48 Diagnosen weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Burgenland und in Kärnten stiegen die Zahlen allerdings leicht. Schätzungen zufolge sind bis zu 15.000 Österreicher mit HIV infiziert, zwei Drittel davon sind Männer.

„Mittlerweile ist HIV/Aids kein Todesurteil mehr, sondern eine behandelbare Krankheit“, so die Wiener Dermatologin Judith Hutterer bei einer Pressekonferenz. Seit 1996 gebe es die Kombinationstherapie, mittlerweile kann für jeden Betroffenen eine ideale Medikation zusammengestellt werden, die vielen Betroffenen einen „normalen“ Alltag und eine hohe Lebenserwartung ermöglicht, so die HIV-Spezialistin der ersten Stunde. Unter Umständen müssen die Tabletten sogar nur einmal am Tag eingenommen werden. „Auch wenn eine Infektion mit HIV bis heute nicht heilbar ist, stellt die Entwicklung der therapeutischen Möglichkeiten von HIV und Aids in den letzten Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte der Medizin dar“, so die Dermatologin.

Trotzdem warnt Dennis Beck, der Obmann der Aids-Hilfe Wien, davor, eine mögliche Infektion auf die leichte Schulter zu nehmen: „Die Menschen fürchten sich weniger und handeln dadurch leichtsinniger.“ Deshalb wollen die österreichischen AIDS-Hilfen im nächsten Jahr das Test-Angebot für homo- und bisexuelle Männer sowie für Migranten verstärken.

„Niedrigstschwellig und aufsuchend“ soll an potenziell gefährdeten Zielgruppen herangetreten und Aufklärungsarbeit geleistet werden. So sollen beispielsweise in Asyleinrichtungen freiwillige Tests plus Beratung angeboten werden.

Pro Jahr werden in Österreich etwa eine Million HIV-Antikörper-Tests durchgeführt, viele davon allerdings bei Menschen mit wenig Risiko. Die erste HIV-Infektion in Österreich wurde im Jahr 1983 festgestellt, bereits zwei Jahre später wurde die erste heimische Aids-Hilfe-Organisation gegründet. Bis Ende Oktober 2010 erkrankten in Österreich insgesamt 2.805 Menschen an Aids; 1.529 von ihnen sind bereits verstorben.