Donnerstag, 30. Mai 2024
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Wolf Martin ist tot

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Wolf Martin ist tot. Er starb im Alter von 64 Jahren. Martin, der bürgerlich Wolfgang Martinek hieß, hat jahrelang unter dem Titel „In den Wind gereimt“ in der „Kronen Zeitung“ ein tägliches politisches Gedicht veröffentlicht.

Seine seit 1989 erschienenen Gedichte waren umstritten: Sie waren sehr oft polemisch, rassistisch oder hetzerisch. Mehrmals wurde er durch den Presserat verurteilt. Ende März erschien genau 23 Jahre nach dem Start seiner Kolumne das letzte Gedicht von Martin in der „Kronen Zeitung“. Darin machte er publik, dass er „ziemlich krank“ sei und er „Schluss beizeiten“ mache.

Vor seiner „Krone“-Karriere war er unter anderem auch einer der ersten Schwulenaktivisten Österreichs. Er schloss sich Anfang der 1980er-Jahre der gerade gegründeten HOSI Wien an. Im Vereinsorgan „Lambda-Nachrichten“ veröffentlichte er zum ersten Mal unter seinem Pseudonym Wolf Martin seine „Sternbilder“, in denen er laut der Wiener Stadtzeitung „Falter“ „seine schwulen Streifzüge und Exzesse“ verarbeitete und beschrieb.

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Trotzdem griff Martin in seinen Gedichten auch massiv Schwule an. Im September 1995 ortete er zum Beispiel einen „Feldzug“ der „Linkslinken“ für „Landesverräter, Blasphemisten, für Kreuz-Entferner in den Schulen“ sowie „für Gruppen von verrückten Schwulen“. Daraufhin wurde er von einigen Mitgliedern der HOSI Wien als ehemaliger Aktivist geoutet. Den Vorwurf, pauschal gegen Lesben und Schwule zu schreiben, wies er aber zurück. Immerhin kritisierte er in einem Gedicht, dass Homosexualität überall zu finden sei – außer beim Profifußball.

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