Letzter schwuler jüdischer Holocaust-Überlebender gestorben

Der letzte schwule jüdische Überlebende des Holocaust ist tot. Gad Beck starb am Sonntag in Berlin, sechs Tage vor seinem 89. Geburtstag.

Beck war nach dem 2. Weltkrieg ein einsamer Kämpfer für die Rechte Homosexueller – in einer Zeit, in der noch immer der von den Nationalsozialisten verschärfte Paragraph 175 gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Männern verbot. Sein Leben wurde in den Filmen „Die Freiheit des Erzählens“ und „Paragraph 175“ dokumentiert.

Beck wusste schon früh, dass er schwul ist. „Mit 12 Jahren war mir klar, dass ich mich in einen Freund verliebt hatte. Damals war ich ein junger Bub, und es gab keine Möglichkeit, darüber zu reden.“, sagte er dem „Miami Herald“ im Jahr 2001.

Während der Verfolgung durch die Nationalsozialisten war Beck Leiter der zionistischen Untergrundgruppe „Chug Chaluzi“, die eine Schlüsselrolle für das Überleben der Juden in Berlin einnahm. „Als Homosexueller konnte ich mich an meine nichtjüdischen homosexuellen Bekanntschaften wenden, um an Nahrung und Verstecke zu kommen“, erinnerte er sich.

Dabei war er durchaus kreativ: Seinen damaligen Freund Manfred Lewin rettete er, dem er eine Uniform der Hitlerjugend anzog und ihn aus einem Anhaltelager holte.

Seine Familie konnte er aber nicht retten: Sie wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs flog Beck durch einen Gestapo-Spion in den Reihen der jüdischen Widerstandskämpfer auf. Bis zum Ende des Nazi-Regimes wurde er in der Arrestzelle des jüdischen Krankenhauses festgehalten. Dort befreite ihn die Rote Armee.

Im Jahr 1947 emigrierte Beck nach Israel und half dort Überlebenden des Holocaust, sich in dem Land niederzulassen. Doch Berlin ließ ihn nicht los: 32 Jahre später zog es ihn wieder in seine Heimatstadt. Er wurde Direktor der jüdischen Volkshochschule und veranstaltete dort Treffen für schwule Singles.

1995 erregte Beck mit dem autobiografischen Werk „Und Gad ging zu David“ große Aufmerksamkeit. Die Authentizität von Details der Autobiographie ist jedoch umstritten – diese dürfte Beck zugunsten einer plastischeren Erzählweise manchmal vernachlässigt haben.

Über sein Leben als schwuler Jude sagte er: „Gott bestraft einen nicht für ein Leben voll Liebe“.

In den letzten Jahren hielt er Vorlesungen in Europa und den USA. Er hinterlässt Julius Laufer, seinen Lebensgefährten seit 35 Jahren.