Zuviel des Guten ist wirklich wundervoll

Dass Liberace kein Freund dezenter Dekorationen war, ist bekannt. Dementsprechend sieht man auch bei Steven Soderberghs Film-Epos „Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ den Sternenstaub praktisch von der Leinwand stauben. Aber: Es passt. Das Bild ist stimmig, Michael Douglas und Matt Damon zeigen, dass sie zurecht zu den besten Schauspielern Hollywoods zählen.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte des Star-Pianisten und dem naiven Waisen Scott Thorson und basiert auf dessen Erinnerungen. Er erzählt aber auch eine Geschichte von einer Zeit, in der Homosexualität nicht ausgesprochen wurde und einer Welt, in der Lover ersetzt werden, wenn sie altern. Denn fünf Jahre, nachdem sich Thorson und Liberace kennengelernt hatten, wurde er von dem 35 Jahre älteren Paradiesvogel abserviert.

Den großen Hollywood-Filmstudios war diese Geschichte zu heikel. Das war die Stunde für den US-Kabelsender HBO. Er finanzierte den Film und erregte damit internationale Aufmerksamkeit. Den außergewöhnlich spielenden Michael Douglas könnte das seinen dritten Oscar kosten: Denn dafür müsste der Film in einem US-Kino gezeigt worden sein – und das war bis jetzt eben nicht der Fall. Zum Trost gab es zumindest einen Emmy, das Pendant der Fernsehwelt.

Der Film lebt von der Darstellung von Douglas. Er stellt den glamourösen und dekadenten Walter Liberace als herrischen Schmeichler mit Vorliebe für Pelze und Swarovski-Ringe – beide etwas zu groß und viel zu protzig – dar. Er ist von sich selbst maßlos überzeugt und in einer Zeit ohne Handy-Kameras abgeschottet von der Umwelt. So kann er seine Homosexualität zumindest in den eigenen vier Wänden leben.

Schnell gibt er seinem früheren Lebensgefährten den Laufpass, als er den Waisenknaben Scott für sich entdeckt und in seinen pompösen Palast einführt. Offiziell ist er Liberaces Chauffeur, inoffiziell sein Liebhaber.

Scott wird von Matt Damon gespielt – und glänzt in jeder Lebensphase: Die junge Unschuld von Land nimmt man ihm genauso an wie den routinierten Ehemann mit Bäuchlein und Jogginghosen. Und auch, wenn er im Film wieder abnimmt, sich operativ verschönern lässt und in der Drogensucht landet – jedes Mal wirkt Matt Damon authentisch. Genial als Schönheitschirurg: Der gefallene Teenie-Schwarm Rob Lowe.

Doch Scott geht es wie vielen jungen Gespielen: Irgendwann werden sie älter – und wieder durch jemand ersetzt, der jünger, hübscher, frischer ist. In diesem Fall folgt ein Streit ums Geld. Er endet erst am Sterbebett von Liberace, der 1987 an Aids stirbt.

Soderbergh zeigt mit viel Fingerspitzengefühl, dass Liberace seine Lover immer geschickt verführt, manipuliert und für seine Zwecke eingesetzt hat. Und obwohl „Liberace“ den opulenten Tuntenbarock, der für den Entertainer typisch war, exzessiv zeigt, wird der Film nie zur Farce.