Nelson Mandela ist tot

Der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela ist tot. Er starb nach langer schwerer Krankheit im Alter von 95 Jahren. Mit seinem Bekenntnis gegen jede Art von Diskriminierung war er auch für Lesben und Schwule für ein Vorbild.

Staatstrauer in Südafrika

„Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren“, sagte der jetzige Präsident Jacob Zuma in einer Fernsehansprache. „Was Nelson Mandela so großartig gemacht hat war exakt das, was ihn menschlich gemacht hat. Wir haben in ihm gesehen, was wir in uns selbst suchen“, so Zuma weiter.

Nelson Mandela war bereits seit mehreren Jahren schwer krank. Seit dem Jahr 2004 wurde er selten in der Öffentlichkeit gesehen. Sein Gesundheitszustand galt in den letzten Monaten nach einer schweren Lungenentzündung als kritisch, aber stabil.

Anwalt für die Rechte von Lesben und Schwulen

Seit er aus seiner 27-jährigen Haft im Jahr 1994 entlassen und im Jahr 1995 zum ersten Präsidenten von Südafrika nach dem Ende der Apartheid wurde, hat er sich auch für die Rechte der schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgender Südafrikaner eingesetzt. So hat Nelson Mandela, kurz nachdem er Präsident geworden ist, einen offen schwulen Richter an den Obersten Berufungsgerichtshof bestellt.

Heute hat Südafrika die liberalste Verfassung in Afrika. Sie garantiert gleiche Rechte für alle Bürger, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechteridentität ist verboten.

Es ist ein Verdienst von Nelson Mandela, dass Südafrika das fünfte Land der Welt wurde, dass die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet hat. Das südafrikanische Beispiel macht klar: Lesben- und Schwulenrechte sind Menschenrechte – überall auf der Welt.

In der Tradition Mandelas haben sich auch Erzbischof Desmond Tutu und Mandelas Nachfolger Tjabo Mbeki für die Rechte sexueller Minderheiten eingesetzt. Mbeki zufolge hat der Kampf gegen die Apartheid, die Sex zwischen verschiedenen Ethnien verboten hat, die neuen Führer des Landes dazu gebracht, nur ungern in die Schlafzimmer der Menschen zu schauen.

Nelson Mandela: Kämpfer gegen Aids

Weiters war Nelson Mandela einer der bekanntesten Botschafter im Kampf gegen HIV und Aids. Der sechsfache Vater hat selbst einen Sohn durch die Immunschwächekrankheit verloren. Er wollte das weltweite Bewusstsein gegenüber HIV steigern. Bereits in den Anfängen seiner Präsidentschaft kritisierte er, dass die damalige Regierung nicht in der Lage war, das Aids-Problem in den Griff zu bekommen. Nach seiner Amtszeit räumte er selbstkritisch ein, dass der Kampf gegen Aids während seiner Zeit als Präsident zu wenig Beachtung gefunden hat.

Für sein Lebenswerk wurde er 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Präsident Zuma hat Staatstrauer angeordnet. Alle Flaggen des Landes wehen auf Halbmast. Südafrika wird Nelson Mandela mit einem Staatsbegräbnis verabschieden, kündigte Zuma an.