Nigeria verbietet Homosexualität

In Nigeria ist ein Gesetz in Kraft getreten, dass gleichgeschlechtliche Eheschließungen, öffentliches Zurschaustellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und die Existenz von LGBT-Gruppen verbietet.

Dem Gesetz zufolge kann jeder, der – zum Beispiel im Ausland – eine gleichgeschlechtliche Ehe oder Eingetragene Partnerschaft eingeht, in Nigeria zu 14 Jahren Haft verurteilt werden. „Nur ein Ehezeugnis zwischen einem Mann und einer Frau soll in Nigeria als gültig anerkannt werden“, steht im Gesetz. Wer Lokale, Vereine oder Organisationen für Lesben und Schwule registrieren möchte oder eine gleichgeschlechtliche Beziehung öffentlich zeigt, kann in Nigeria künftig bis zu zehn Jahre ins Gefängnis wandern.

Reuben Abatim, der Sprecher von Nigerias Präsident Goodluck Jonathan, hat am Montag bestätigt, dass das international umstrittene Gesetz vom Präsidenten unterzeichnet wurde. Es stimme mit den Einstellungen eines Großteils der Bevölkerung zu Homosexualität überein, so der Sprecher. Jonathan habe das Gesetz bereits vor einigen Tagen unterschrieben, so Abatim weiter.

Er erklärte: „Mehr als 90 Prozent der Nigerianer sind gegen gleichgeschlechtliche Eheschließungen. Deshalb ist dieses Gesetz auf einer Linie mit unseren kulturellen und religiösen Überzeugungen als Volk.“ Um internationalen Protesten vorzubeugen, gab es bei den Beschlüssen keine öffentlichen Kundmachungen.

International kommt scharfe Kritik an dem Gesetz: Amnesty International bezeichnet es als „diskriminierend“ und warnte vor „katastrophalen Folgen“ für Lesben, Schwule und Transgender in Nigeria. US-Außenminister John Kerry sagte, die Vereinigten Staaten seien von dem Gesetz „zutiefst besorgt“, da es „die Versammlungs- und Meinungsfreiheit aller Nigerianer gefährlich beschränkt“.

Lesben, Schwule und Transgender in Nigeria leben nun in Angst. Besonders arme homosexuelle Nigerianer würden unter dem Gesetz leiden, erklärt Olumide Makanjuola, Leiterin der „Initiative for Equality“ in Nigeria. Reichere Lesben und Schwule hätten das Land bereits verlassen oder würden Sex im Ausland haben, so Makanjuola.

Homosexualität ist in Nigeria bereits illegal. Ein entsprechendes Gesetz der britischen Kolonialherren wurde nie aufgehoben. Mit der Verschärfung wandelt das Land auf den Spuren von Uganda, wo vor Kurzem ein ähnliches Gesetz verabschiedet wurde. Hier war zunächst sogar die Todesstrafe für schwule „Wiederholungstäter“ vorgesehen. In der aktuellen Version werden wiederholte homosexuelle Handlungen in Uganda noch immer mit lebenslanger Haft bestraft. Der ehemalige südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu verglich diese Gesetze mit Apartheid.

Nigeria ist ein tief religiöses Land. Rund die Hälfte der 170 Millionen Einwohner ist Christen, die andere Hälfte Moslems. Auch gibt es in Nigeria noch zahlreiche Naturreligionen.