Karmasin: Adoptionsrecht auch für Homo-Paare

Die Bundesregierung entfernt sich immer stärker vom ÖVP-Bild der konservativen „Kernfamilie“. Beim gestrigen Pressefoyer nach dem Ministerrat haben Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ und die von der ÖVP nominierte Familienministerin Sophie Karmasin für eine Etablierung eines erweiterten Familienbegriffs ausgesprochen.

„Familie kann auch aus zwei Mamas oder zwei Papas oder Alleinerziehenden bestehen. Familie ist dort, wo Zusammenleben stattfindet“, betont Heinisch-Hosek beim Pressefoyer. Ähnlich dazu Karmasin: „Familie ist dort, wo Menschen sich zu Hause fühlen.“

Es ist der nächste Schritt eines stetigen Wandels: Während sich Heinisch-Hosek schon immer deutlich für die Rechte von Lesben und Schwulen eingesetzt hat, waren die ersten Schritte von Karmasin auf diesem Parkett zaghafter.

Doch nun scheint die Familienministerin in diesem Punkt an Sicherheit gewonnen zu haben. In einem Doppel-Interview, das Heinisch-Hosek und Karmasin der „Presse am Sonntag“ gaben, befürwortete die Familienministerin eine Öffnung des Adoptionsrechts. „Ein alleinstehender Homosexueller darf ein Kind adoptieren, insofern ist es nicht ganz logisch, warum ein homosexuelles Paar das nicht darf. Im Alltag lebt das Kind, das einzeln adoptiert wurde, vermutlich ohnehin mit einem Paar zusammen. Insofern würde eine gesetzliche Erlaubnis nur der Realität entsprechen.“, so Karmasin.

Ob dieser Wandel auch der Linie der ÖVP entspricht, die Karmasin ins Ministeramt nominiert hat, ist unsicher. Parteivertreter verhalten sich in dieser Frage zur Zeit auffallend ruhig.