Freitag, 31. Mai 2024
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Sechs schwule Männer wegen Homosexualität verurteilt

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In Marokko sind sechs Männer Mitte Mai wegen Homosexualität angezeigt und verurteilt werden. In dem Königreich stehen auf „unnatürliche Akte mit gleichgeschlechtlichen Partnern“ bis zu drei Jahre Haft. Ein Vater hatte seinen eigenen Sohn und dessen Freunde angezeigt.

Wie der arabische Fernsehsender Al-Jazeera unter Berufung auf Menschenrechtsaktivisten berichtet, spielte sich der Fall in Fkih Ben Saleh, etwa 200 Kilometer südöstlich von Casablanca, ab. Der Vater eines des Verurteilten hatte die Clique angezeigt, weil seiner Meinung nach sein Sohn von ihnen in einen „abartigen Lebensstil“ gedrängt wurde.

Außerdem wurden sie wegen Prostitution und öffentlicher Trunkenheit verurteilt. „Die Richter glauben, dass ein solcher Akt nur wegen des Geldes gemacht wird“, erklärt Ibtissame Lachgar, Mitgründern der Menschenrechtsorganisation „Mouvement Alternatif pour les Libertés Individuelles“ (MALI). Deshalb sei dieser Fall auch typisch für Marokko: „Sie können sich nicht vorstellen, dass es hier auch um Liebe geht.“

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Kritisiert wird von lokalen Menschenrechtsorganisationen auch, dass Homosexualität unter Einheimischen härter bestraft wird als Kindesmissbrauch von Ausländern. „Es gibt hier viel Heuchelei“, so Khadija Rijadi von der Gruppe „Association marocaine des droits humains“ (AMDH). Er erinnert an den Fall eines Spaniers aus dem Jahr 2011. Dieser Mann habe mindestens elf Kinder vergewaltigt. Um die Beziehungen zu Spanien nicht zu belasten, wurde er aber letztes Jahr vom marokkanischen König begnadigt.

Eine Begnadigung für die sechs Marokkaner scheint hingegen unwahrscheinlich. Das Strafmaß wird erst später verkündet. Homosexualität ist in dem nordafrikanischen Land illegal. Nach Paragraph 489 des Strafgesetzbuches können „unnatürliche Akte mit gleichgeschlechtlichen Partnern“ mit bis zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe geahndet werden.

In der marokkanischen Gesellschaft gilt Homosexualität als Tabu. Gerade in Touristenorten wie Marrakesch, Agadir oder Tanger wird sie aber toleriert. Viele schwule Pensionisten aus Westeuropa haben sich dort niedergelassen.