Schweigen in Sotschi: Anja Pärson kritisiert IOC

Scharfe Kritik an der Einstellung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu den Rechten schwuler und lesbischer Sportler kommt von einer ehemaligen Spitzen-Skiläuferin.

Die Schwedin Anja Pärson meinte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, dass das IOC während der Winterspiele im russischen Sotschi zu wenig getan hatte, um schwule und lesbische Sportler zu unterstützen. Viele homosexuelle Athleten und Zuschauer hätte sich im Schatten der russischen Gesetze gegen „Homo-Propaganda“ nicht sicher gefühlt, so Pärson.

Und dagegen hätte das IOC zu wenig getan, ist sich die Schwedin sicher: „Das IOC hatte in Sotschi eine große Verantwortung und sie haben sich nicht für Menschenrechte eingesetzt“ so Pärson gegenüber CNN. „Sie haben sich vor den schwierigen Fragen gedrückt. Ich glaube, an diesem Punkt haben sie viele falsche Entscheidungen getroffen.“

Anja Pärson, die 2012 ihre Karriere als aktive Sportlerin beendet und sich wenige Monate später als lesbisch geoutet hatte, war als Kommentatorin fürs schwedische Fernsehen in Sotschi mit dabei. Die Entscheidung, diesen Job anzunehmen, ist ihr nicht leicht gefallen.

„Ich glaube, viele Athleten haben sich unwohl gefühlt. Auch ich habe mir überlegt, ob ich gehen soll oder nicht. Aber ich habe mich entschieden, zu gehen. Und ich war dort als Homosexuelle, und ich hatte meine Familie dabei, meinen Sohn und meine Frau. Ich wollte nicht, dass Russland entscheiden sollte, wie ich lebe.“

Mittlerweile hat das IOC die Olympische Charta angepasst. Artikel 6 soll nun auch sicherstellen, dass die Veranstalter niemanden wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren. Ob diese Wünsche auch in der Praxis umgesetzt werden, wird die Zukunft zeigen.