CSD Berlin: Mehr als 160.000 Euro Schulden

In Berlin droht dem Trägerverein des CSD im schlimmsten Fall die Insolvenz. Das berichtet das deutsche Newsportal queer.de. Grund dafür sind unter anderem die Streitigkeiten aus dem Vorjahr – und eine Forderung der Firma des ehemaligen Geschäftsführers.

Streit, schlechtes Wetter und Fußball-WM kosteten gut 100.000 Euro

Tiefe Gräben gingen im letzten Jahr durch die Lesben- und Schwulenszene jener Stadt, die einst durch eine hohe Mauer getrennt wurde. Den einen war der Berliner CSD zu unpolitisch, die anderen wollten die Marke professionalisieren. Das Ergebnis: Letztes Jahr fanden zwei mittelgroße Paraden statt, man trennte sich vom Geschäftsführer des Berliner CSD e.V., Robert Kastl.

Dieses Jahr wird in Berlin wieder nur ein CSD gefeiert – als große Party, bei dem die politische Botschaft deutlicher präsentiert werden soll. Doch der Streit hat noch ein finanzielles Nachspiel: Der Trägerverein steht nach Recherchen von queer.de mit mehr als 160.000 Euro in der Kreide.

Das entsprecht mehr als einem halben Jahresbudget. Dem Verein – und damit dem CSD Berlin – droht damit schlimmstenfalls die Insolvenz. In einer Krisensitzung am 30. März wurde nun unter anderem eine Spendenaktion beschlossen.

Verein spricht von „akuten finanziellen Notsituation“

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung sprach der Vorstand des CSD Berlin von einer „akuten finanziellen Notsituation“. Und er erklärte in einer Bilanz, was damit gemeint ist: „Der Verein sieht sich zum 12. März 2015 mit berechtigten Forderungen in einer Gesamthöhe von 178.792 Euro konfrontiert. Bislang wurden Teilzahlungen in Höhe von 17.409 Euro geleistet; es verbleiben als realistische Forderungen 161.383 Euro“, steht in dem Dokument. Die offenen Forderungen des Vereins betragen hingegen lediglich 7.000 Euro.

Rund 100.000 Euro Schulden stammen dabei alleine aus dem Vorjahr. Damals spaltete sich der CSD in zwei Paraden, wegen der Fanmeile zur Fußball-WM musste auch eine andere Route genommen werden. Das schlechte Wetter tat ein Übriges. In Zahlen heißt das: 15.000 Euro verlor der Verein durch weniger Wagen-Anmeldungen.

„Hinzu kamen ein Starkregen zum Zeitpunkt des Eintreffens der Parade am Endpunkt des Finales und das gleichzeitige Stattfinden des ersten WM-Spieles Deutschland-Ghana, (…) was wiederum zu Einnahme-Einbußen beim Getränkeumsatz von fast 25.000 Euro führte.“ 30.000 Euro wurde auch weniger an Sponsor-Geldern eingenommen. Dafür gab es im letzten Jahr Mehrausgaben durch „mangelhafte Finanz- und Budgetplanung“ in ungefähr der gleichen Höhe.

Aktueller Vorstand muss die Scherben der Vergangenheit aufkehren

Der aktuelle Vorstand, der den CSD Berlin nun finanziell wieder auf sichere Beine stellen muss, kann eigentlich nichts für die Notlage: Er wurde erst im Oktober gewählt, drei Vorstandsmitglieder wurden damals erstmals gewählt. Doch die Lage ist ernst. „Die Forderungen gegen den Verein befinden sich teilweise im letzten Stadium vor Einleitung der Vollstreckung“, steht im Maßnahmenkonzept des Vereins.

Mit den meisten Gläubigern hat man sich mittlerweile einigen können – nur der größte Schuldner des Berliner CSD e.V. stellt nach Angaben des neuen Vorstands auf stur. Das ist die Publicom GmbH – hinter ihr steht der entlassene CSD-Geschäftsführer Robert Kastl. Dieser könnte seinen ehemaligen Arbeitgeber also nun pfänden lassen.

Insolvenz steht nicht bevor, CSD 2015 ist gesichert

Eine Insolvenz des Berliner CSD e. V. steht derzeit nicht im Raum, betont der Vorstand. „Der Verein ist zwar hoch verschuldet, aber bislang kein Insolvenzfall. Wir lassen uns von einem Insolvenzrechtler begleiten und haben vielfältige Maßnahmen eingeleitet“, so der Verein gegenüber queer.de. Auch der diesjährige CSD in Berlin soll von den finanziellen Problemen des Trägervereins nicht betroffen sein.

Trotzdem bittet der Verein nun die Community um Spenden: „Von jeder Person aus der Community einen Euro zu bekommen, wäre ein super Anfang“, erklärt Vorstandsmitglied David Staeglich die Aktion „Rette deinen CSD!“. Und er ergänzt: „Bedenkt man die Hunderttausenden von Menschen, die jedes Jahr beim CSD dabei sind, wären es sogar nur Centbeträge pro Person, die den Verein komplett sanieren, alle Schulden begleichen und ermöglichen würden, einen großartigen CSD auf die Beine zu stellen.“

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