Samstag, 20. April 2024
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Irland entscheidet sich für die Öffnung der Ehe

Bevölkerung stimmt mit großer Mehrheit zu

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Die Iren haben sich bei der gestrigen Volksabstimmung für eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ausgesprochen. Auch, wenn das endgültige Ergebnis erst am späten Nachmittag feststehen wird, deuten erste Auszählungen auf eine deutliche Mehrheit für die Ehe-Öffnung hin. Es ist das erste Mal, dass die Ehe in Europa durch eine Volksabstimmung geöffnet wird.

Die irische Premierministerin Enda Kenny hat gegen 13.00 Uhr offiziell bestätigt, dass das Referendum, mit dem die Verfassung zugunsten der Ehe-Öffnung geändert wird, von den Iren angenommen wurde. Es zeige Irlands „führenden Pioniergeist“ in der Welt, so die Regierungschefin.

Iren reisten extra in die Heimat, um mit Ja zu stimmen

Bis zu zwei Drittel der Iren dürften dafür gestimmt haben, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 Prozent. Labour-Staatssekretär Kevin Humphries meinte, das Ergebnis sei sowohl in Arbeiterbezirken als auch in gut bürgerlichen Gegenden seines Wahlkreises eindeutig gewesen.

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Viele Iren kamen auch extra aus dem Ausland in ihre Heimat, nur um bei diesem Referendum abstimmen zu können. Deardriu Lally ist mit ihren drei kleinen Kindern extra aus Deutschland gekommen, um mit Ja zu stimmen. „Das ist der wichtigste Tag in ihrem Leben“, sagt sie dem „Guardian“. Und sie fügt hinzu: „Ich weiß zwar noch nicht, wo wir heute bleiben werden, aber es ist Song-Contest-Finale und in Dublin gibt es eine große Party.“ Andere nahmen sogar eine eintägige Pause vom Song Contest, flogen nach Dublin, stimmten ab, und sind heute wieder zurück auf dem Weg nach Wien.

Breite Mehrheit im ganzen Land

„Ich glaube, es ist gewonnen. Ich habe gesehen, wie die Urnen geöffnet wurden, in ländlichen Gebieten, die nicht unbedingt liberal sind, und sie haben haushoch mit Ja gestimmt“, meinte der für Gleichheit zuständige Minister Aodhán Ó Ríordáin von der irischen Labour Party gegen Mittag. Er sei heute stolz, Ire zu sein, schreibt er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Für Leo Varadkar, Irlands offen schwulen Gesundheitsminister, ist es der schönste Tag seines Lebens: „Es scheint, als ob das irische Volk sich schon vor einiger Zeit dafür entschieden hätten“, so das erste offen homosexuelle Kabinettsmitglied Irlands.

Gegner räumen Niederlage ein

Auch die Gegner der Ehe-Öffnung räumten mittlerweile ihre Niederlage ein „Gratulation an die Ja-Seite. Gut gemacht“, twitterte David Quinn vom religion-konservativen Think-Tank „Iona Institute“.

Die Wahlurnen wurden heute um 9.00 Uhr Ortszeit in den 27 Auszahlungszentren geöffnet. Schon nach einer Stunde war klar, dass die Unterstützer der Ehe-Öffnung die Mehrheit auf ihrer Seite haben. Mit einem endgültigen Ergebnis wird am Nachmittag gerechnet.

Für Irland ist die Öffnung der Ehe der Höhepunkt einer rasanten Aufholjagd beim Thema Lesben- und Schwulenrechte: Vor 22 Jahren war Homosexualität noch ein Verbrechen, seit vier Jahren gibt es Eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare.

Promis freuen sich über Ehe-Öffnung

Auch Prominente freuen sich für den Sieg der Gleichberechtigung in Irland. „Ich sitze hier und sehe, wie die Iren Geschichte schreiben. Besonders und wundervoll“, twittert „Harry Potter“-Autorin J. K. Rowling. Und die irische Drag Queen Panti Bliss, die mit ihrer Rede für gleiche Rechte die Welt bewegte, schrieb über den Kurznachrichtendienst: „Ich gehe durch die Stadt mit einem breiten Grinsen in meinem Gesicht. Die Touristen glauben, ich bin verrückt. (Die Einheimischen wissen, warum)“

Applaus aus Österreich, Deutschland und der Schweiz

Auch international sorgt die Entscheidung der Iren für Applaus. Für Ulrike Lunacek, Grüne Vize-Präsidentin des EU-Parlaments und Co-Vorsitzende der LGBTI-Intergroup im Europäischen Parlament, ist heute „ein Tag der Freude“: „Eine großartige Entscheidung der Irinnen und Iren“ freut sie sich und fordert auch Österreich auf, die Ehe für Lesben und Schwule zu öffnen.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) betont, dass Irland bereits der 20. Staat sei, der die Ehe öffnet. „In Deutschland verschanzt sich die Bundesregierung dagegen hinter angestaubten gleichheitsfeindlichen Denkmustern aus dem letzten Jahrhundert“, so LSVD-Sprecher Axel Hochrein.

Und auch die Schweizer LGBT-Vereine freuen sich mit den Irinnen und Iren und streben in ihrem Land die Öffnung der Ehe an. Sie betonen, dass neben gleichgeschlechtlichen Paaren auch verheiratete Transpersonen in Irland aufatmen können. Ein Gesetz zur rechtlichen Anerkennung von Transmenschen sehe derzeit die Zwangsscheidung vor, solange es keine gleichgeschlechtliche Ehe gibt.

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