Polizist wollte Escort in Falle locken – jetzt bekommt dieser Geld vom Staat

In Zürich hat die Polizei einem mutmaßlichen Escort eine Falle gestellt – und hat sich damit jetzt vor Gericht selbst blamiert: Der mutmaßliche Callboy wurde freigesprochen und erhält eine Entschädigung.

Es war Anfang März, als sich ein 29-jähriger Kolumbianer unter dem Namen „StarWarsBoy“ auf einer Dating-Webseite anbot. Schließlich empfing der Student zwei Männer in seiner Wohnung für einen Dreier. Einer der beiden Männer bot dem jungen Mann 100 Franken für Sex an. Doch statt Sex gab es dann eine Verhaftung: Denn der mutmaßliche Kunde war ein verdeckter Ermittler der Kantonspolizei Zürich.

Nun landete der 29-jährige vor Gericht. Die Anklage: Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung sowie rechtswidriger Aufenthalt. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe in der Höhe von 300 Franken, umgerechnet 280 Euro, sowie eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 30 Franken.

Doch das sah die Verteidigung des Kolumbianers anders: Sein Verteidiger Werner Greiner plädierte auf Freispruch, sein Mandant sei in eine Falle gelockt worden: Der 29-Jährige wollte kein Geld verdienen, sondern war nur auf Besuch und wollte Männer für Sex kennenlernen, argumentiert der Anwalt.

Vielmehr sei es der Beamte gewesen, der seinerseits Geld ins Spiel gebracht habe. Er habe den Beschuldigten angestiftet und provoziert. Vom dritten Mann habe der Kolumbianer beispielsweise kein Geld verlangt. Außerdem habe es für die Aktion keine richterliche Genehmigung gegeben. Deshalb müsse sein Mandant freigesprochen werden.

Einer Argumentation, der das Gericht folgte. Dem mutmaßlichen Callboy sei durch die Provokation des Beamten kein Tatentschluss nachzuweisen. Der Polizeibeamte habe seine Befugnisse überschritten. Damit seien die Beweismittel nicht verwertbar. Statt einer Geldstrafe erhält der 29-jährige Kolumbianer nun 3.000 Franken Prozessentschädigung, 465 Franken Aufwandsentschädigung und 300 Euro Schmerzensgeld für seinen mehrtägigen Aufenthalt im Gefängnis.