Erste Adoption durch schwules Paar in Österreich

Die beiden Männer waren schon seit Jahre Pflegeeltern für ihre Tochter

Regenbogenfamilie
Symbolbild - Fotolia

Zum ersten Mal hat in Österreich ein homosexuelles Paar ein Kind adoptiert. Wie der ORF Wien berichtet, handelt es sich dabei um zwei Männer und ihre langjährige Adoptivtochter.

Im Alter von sechs Wochen ist das Kind direkt aus dem Krankenhaus zu den schwulen Pflegeeltern gekommen. Heute ist das Mädchen sieben Jahre alt – Zeit, die Elternschaft der beiden Männer auch rechtlich zu regeln.

Paar profitiert von Urteil des Höchstgerichts

Möglich wurde das durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshof (VfGH), der Hetero- und Homosexuelle im Adoptionsrecht gleichstellt. Seit 1. Jänner ist die Adoption in Österreich deshalb auch für Eingetragene Partnerschaften geöffnet. Nun fand die neue gesetzliche Lage zum ersten Mal ihre Anwendung. Im Spätsommer wurde dann die Adoption durch das zuständige Gericht bestätigt.

„Natürlich waren da sehr viele Glücksgefühle dabei“, erzählt Thomas Rath-Priesnitz, einer der beiden Väter, im Gespräch mit dem ORF Wien. Probleme gab es bei den Formularen, weil dort „immer Vater und Mutter angeführt waren. Man hat dann lange überlegt, was man in unserem Fall da bei der Geburtsurkunde machen kann“.

Sicherheit für das Kind und die Familie

Unterstützt wurden die beiden Männern dabei von den zuständigen Ämtern der Stadt Wien. Im Gegensatz zur Pflegeelternschaft biete die Adoption vor allem die Sicherheit, „dass wir für alle Zeit die Familie bleiben können, die wir bis jetzt gebildet haben“, so Rath-Priesnitz.

Diskriminierung musste die Familie, die mittlerweile in Niederösterreich lebt, noch keine erfahren. Die Umgebung sei „eher überrascht und neugierig“, so der Vater gegenüber dem ORF Wien. Das Argument, dass ihre Tochter ohne Mutter aufwächst, lassen die beiden Väter nicht gelten. „Es gibt ja eine leibliche Mutter. Wir haben einen guten Kontakt mit ihr aufgebaut und es wird sicher die Mutter eine wichtige Rolle spielen, etwa in der Pubertät“, erklärt Rath-Priesnitz. Außerdem gebe es in der Familie „sehr viele weibliche Bezugspersonen“ für das Kind.

Wohl des Kindes steht bei Adoption immer im Vordergrund

Bei der Entscheidung für eine Adoption steht für die Ämter immer das Wohl der Kinder im Mittelpunkt, unabhängig von der sexuellen Orientierung der Eltern. Im Vorjahr standen 40 neue Adoptivwerber 17 zur Adoption freigegebenen Kindern gegenüber. Nach Angaben der zuständigen MA 11 beträgt die Wartezeit für ein Adoptivkind in Wien derzeit etwa drei bis fünf Jahre.

Bei den Überprüfungen, ob jemand für eine Adoption geeignet ist, achtet die MA 11 auf viele Faktoren. Dazu zählen unter anderem ein sicheres Einkommen und, ob es ein Netzwerk gibt, das sich bei Bedarf um das Kind kümmern kann. Persönlichkeit und Partnerschaft der Adoptionswerber werden ebenfalls überprüft. Außerdem müssen die Bewerber einen Vorbereitungskurs absolvieren.