Nordirland: Bevölkerung will Ehe öffnen – Politik nicht

Ministerpräsidentin Arlene Foster: "Ich kenne Lesben und Schwule, die gar nicht heiraten wollen"

Flagge von Nordirland
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Auf den britischen Inseln ist die Ehe mittlerweile für schwule und lesbische Paare geöffnet – mit einer Ausnahme: In Nordirland weigert sich die Democratic Unionist Party (DUP) unter Ministerpräsidentin Arlene Foster, Homosexuellen die gleichen Rechte zu geben.

„Der Eindruck, dass jeder Schwule und jede Lesbe unbedingt die Ehe öffnen wollen, ist einfach falsch. Ich kenne viele Menschen in der Community, die das nicht interessiert und die in ihren Partnerschaften sehr zufrieden sind. Das alles ist eher ein Sturm im Wasserglas“, lehnt die konservative Politikerin alle Bestrebungen ab, die Ehe auch im Norden Irlands zu öffnen. Doch ein großer Teil der nordirischen Bevölkerung dürfte wohl anderer Ansicht sein.

Zwei Drittel der Bevölkerung für die Ehe-Öffnung

Denn einer Umfrage zufolge, die das Meinungsforschungsinstitut Lucid Talk unter mehr als 5.000 Nordiren gemacht hatte, befürworten 65,22 Prozent der Bevölkerung die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare. Nur 28,26 Prozent waren explizit gegen die Ehe-Öffnung. 6,52 Prozent verrieten den Meinungsforschern ihre Ansichten nicht.

Den größten Widerstand bei der Öffnung der Ehe gibt es erwartungsgemäß unter den Anhängern der DUP. Hier sind nur 37 Prozent dafür, wobei jüngere Wähler ebenfalls mehrheitlich die Ehe öffnen wollen. Befürworter gibt es vor allem unter den republikanisch eingestellten Katholiken Nordirlands. Hier wollen bis zu 92 Prozent der Befragten die Ehe – wie auch in der Republik Irland – öffnen.

Bei einem Referendum könnte das Ergebnis deutlich knapper sein

Dass es zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen Nordirlands so große Unterschiede gibt, könnte trotz der hohen Zustimmungsrate einen falschen Eindruck vermitteln: „Dass die Mehrheit der Unionist-Wähler gegen die Öffnung ist, spricht dafür, dass das Ergebnis eines Volksentscheids viel knapper sein könnte, weil die Partei sich dann in den Wahlkampfmodus begeben, und so mehr Menschen auf ihre Seite ziehen könnte“, warnt der Leiter von Lucid Talk im „Belfast Telegraph“.

Nordirland ist der letzte Teil der britischen Inseln, in dem die Ehe noch nicht für schwule und lesbische Paare geöffnet wurde. In England und Wales können Homosexuelle seit 29. März 2014 heiraten, in Schottland seit Herbst desselben Jahres. In der Republik Irland fand am 22. Mai 2015 eine Volksabstimmung über die Öffnung der Ehe statt. 60,52 Prozent der Stimmen befürworteten diese, ein entsprechendes Gesetz trat am 16. November 2015 in Kraft.