Französischer Präsidentschaftskandidat hat Verständnis für Homo-Hasser

Nach Marine Le Pen will nun auch Emmanuel Macron die Stimmen der Erzkonservativen

Emmanuel Macron
Le WEb/Flickr - CC BY 2.0

Nachdem die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen vom Front National die Rücknahme der Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat, nähert sich ein liberaler Gegenkandidat dieser Position an – wenn auch mit freundlicheren Worten.

Ehe-Öffnung durchzusetzen sei ein „fundamentaler Fehler“ von Hollande gewesen

Der unabhängige Emmanuel Macron gilt derzeit als Favorit für die Nachfolge des derzeit amtierenden Präsidenten François Hollande. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „L’Obs“ fischt er nun im rechten Teich. So erklärte er, es sei einer der „fundamentalen Fehler“ der Regierung gewesen, mit dem Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe „einen Teil des Landes“ zu ignorieren, „der gute Gründe hat, Ressentiments und Zorn zu haben“: „Dieses Frankreich“ sei so „gedemütigt“ worden.

„Man darf nie jemanden demütigen, sondern muss mit ihm sprechen und diskutieren“, gibt der 39-jährige Macron seinen anbiedernden Worten an die Konservativen einen liberalen Anstrich. Bis jetzt galt der Präsidentschaftskandidat als Befürworter der Ehe-Öffnung.

LGBT-Verbände sind irritiert, möchte Macron von Homo-Gerüchten ablenken?

Dem entsprechend sind LGBT-Verbände und Aktivisten über die Äußerungen von Macron irritiert. Schließlich haben die Gegner der Ehe-Öffnung Lesben und Schwule unter anderem mit Affen gleichgesetzt und auch sonst aggressiv und Ängste schürend argumentiert. Dem entsprechend bezeichnete es Virgine Combe von „SOS Homophobia“ als „grundlegenden Fehler“, wenn Macron diesen Hass ausblende.

Vielleicht möchte Emmanuell Macron mit dieser Aussage aber auch aktiv einer homophoben Kampagne gegen ihn entgegenwirken. So bezeichnete eine konservative Parlamentsabgeordnete den 39-Jährigen, der seit 2007 mit seiner früheren Französischlehrerin Brigitte Trogneux verheiratet ist, kürzlich als „Kandidat der Homo-Lobby“, von russischer Seite gesteuerte Medien bezeichnen ihn gerne als schwul.

Derzeit gilt Macron als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des französischen Präsidenten, der Ende April gewählt wird. Er liegt Kopf an Kopf auf dem zweiten Platz mit dem konservativen Kandidaten François Fillon, dem aber einige Skandale zu schaffen machen. Zwar haben beide für den ersten Wahlgang einen deutlichen Rückstand auf die rechtsextreme Marine Le Pen, in der Stichwahl wird aber damit gerechnet, dass ihr Gegenkandidat das Rennen machen wird.