Emmanuel Macron für russische Zeitung ein „schwuler Psychopath“

Auflagenstärkstes Boulevardblatt macht mit sehr kühnem Artikel Stimmung gegen den französischen Präsidenten

Emmanuel Macron
En Marche!

Der frischgebackene französische Präsident Emmanuel Macron ist ein „schwuler Psychopath, der Frankreich hasst“ – zumindest, wenn es nach der russischen Boulevardzeitung „Komsomolskaya Prawda“ geht.

Fake-Bild eines Schwulenmagazins für russische Journalisten ein „Beweis“

Garçon-Titelblatt
Garçon

Als Beweis dafür nimmt die Zeitung unter anderem das Cover des französischen Schwulenmagazins „Garçon“, das Macron in seiner aktuellen Ausgabe als Oben-ohne-Posterboy mit der Schlagzeile „Coming Out“ zeigt. Einziges Problem: Das Bild ist eine Fotomontage, wie auch die Redaktion des Magazins freimütig zugibt. Doch das verschweigt die russische Boulevardzeitung ihren Lesern geflissentlich.

Auch, dass sich die Schlagzeile „Coming Out“ unter dem Bild nicht auf Macron bezieht, ignoriert das Blatt. „Für Schwule heißt dieser Ausdruck ‚aus dem Schatten kommen‘, und anzuerkennen dass man selbst schwul ist“, erklärt die Zeitung ihren in homosexuellen Ausdrucksweisen offenbar nicht so bewanderten Lesern.

Russische Medien wiederholen auch mit unlauteren Mitteln das Bild vom schwulen Macron

Die angebliche Homosexualität von Emmanuel Macron ist ein beliebtes Motiv der kremlnahen russischen Presse. So hat bereits Sputnik, eine mehrsprachige staatliche Nachrichtenagentur, behauptet, Macron sei „heimlich schwul und lebt ein Doppelleben“, während er von einer „sehr reichen Schwulenlobby“ unterstützt werde. Stichhaltige Beweise für diese Behauptungen gibt es nicht.

Um der kruden Behauptungen zu untermauern, zitiert die „Komsomolskaya Prawda“ den italienischen Psychologen Adriano Sagatori, der sich mit der Biografie von Emmanuel Macron beschäftigt haben will. Und offenbar nur mit dieser: Auf Google finden sich keine Beweise für eine wissenschaftliche Tätigkeit von Sagatori, dafür aber etliche Zitate über den mutmaßlichen Geisteszustand des französischen Politikers in meist zweifelhaften Medien.

Unbekannter Psychologe behauptet, Macron sei ein „Psychopath“, sieht das aber nicht als Beleidigung

Dieser Adriano Sagatori behauptet gegenüber der russischen Boulevardzeitung nun, Macron sei ein Psychopath, der – anders als seine Gegenkandidatin Marine Le Pen in ihrem Wahlkampf – nicht für das französische Volk kämpfen würde: „Wie alle Psychopathen glaubt er an seine höhere Bestimmung. Macron liebt Frankreich nicht und würde nicht für das französische Volk kämpfen. Er liebt nur sich selbst und würde kämpfen, um seine zerbrechliche Identität zu verteidigen“, so der Experte der kremlnahen Zeitung. Die Zeitung betont, dass die Bezeichnung „Psychopath“ in diesem Zusammenhang keine Beleidigung sei.

Und die „Komsomolskaya Prawda“ geht noch einen Schritt weiter. Die Franzosen hätten es verdient, durch „die Hölle der Globalisierung“ zu gehen: „Sie verdienen keine Demokratie, für die mit den Leben Millionen sowjetischer Soldaten bezahlt wurde“, erinnert die Zeitung am Tag der deutschen Kapitulation an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Dass sowjetische Soldaten gar nicht an der Westfront gegen Deutschland kämpften und Frankreich vor allem von Großbritannien und den USA befreit wurde, ist für das Boulevardblatt wohl eher eine Fußnote der Geschichte.

Aber warum sollte die „Komsomolskaya Prawda“ ausgerechnet in diesem Punkt journalistisch genau arbeiten?