53 Männer wegen „schwuler Hochzeit“ angeklagt – nur acht erschienen vor Gericht

Angeklagte auf Kaution freigelassen - ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft

Symbolbild: Gericht Nigeria
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In Nigeria hat ein Gericht Haftbefehl gegen 45 Männer erlassen: Sie sollen am 15. April an einer symbolischen schwulen Hochzeit in Zaria, einer Stadt im Norden des Landes teilgenommen haben. Nun sollte der Fall verhandelt werden – von den zuvor festgenommenen 53 Männern waren allerdings nur acht vor Gericht erschienen. Das meldet die nigerianische Zeitung „Daily Post“.

Angeklagte wurden auf Kaution freigelassen – und verschwanden vorerst

Jene, die auf Kaution freigelassen wurden, waren verschwunden, musste Polizeistaatsanwalt Mannir Nasir dem Gericht am Montag zerknautscht mitteilen. Daraufhin ordnete der zuständige Richter einen Haftbefehl gegen die Männer an. Der Anwalt Kimi Livingstone Appah, der einige Angeklagte vertritt, widersprach und erklärte, die meisten Angeklagten seien Studenten, die weit entfernt wohnten. Andere hätten gedacht, der Prozess finde am Nachmittag statt, so der Anwalt. Der Fall soll nun am 31. Mai verhandelt werden.

Die Männer wurden vor gut drei Wochen in einem Hotel festgenommen. Sie sollen an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit teilgenommen haben. Nach einer Verschärfung des nigerianischen Strafrechts im Jahr 2013 drohen ihnen deshalb bis zu zehn Jahre Haft, dem „Ehepaar“ sogar bis zu 14 Jahre. Der Anwalt Yunusa Umar, der ebenfalls einige der Betroffenen vertritt, betonte erneut, seine Mandanten hätten nicht an einer schwulen Trauung teilgenommen, sondern an einer harmlosen Geburtstagfeier.

Anwalt beklagt Missstände bei der Verhaftung der Männer

Umar hatte bereits nach der Verhaftung erklärt, dass die Behörden sich bei der Festnahme seiner Mandanten nicht an geltendes Recht gehalten hätten. So seien die meisten Männer mehr als 24 Stunden ohne Haftbefehl festgehalten worden. Daraufhin wurden die meisten auf Kaution freigelassen: Gegen eine Zahlung von je 500.000 Naira, umgerechnet knapp mehr als 1.500 Euro, könnten sie auf freiem Fuß auf ihren Prozess warten. Nigerianische LGBT-Aktivisten versuchten, den Angeklagten beim Aufbringen des Geldes zu helfen.

Für Maria Sjodin von der in New York ansässigen Organisation „OutRight Action International“ ist der Grund für die Festnahme der Männer nur eine „Ausrede für die Niederschlagung einer entstehenden LGBT-Bewegung“ in Nigeria: „Nur die Polizei behauptet, es habe eine Hochzeitsfeier stattgefunden“, so die Aktivistin gegenüber dem US-Sender NBC. Die Polizei nutze das Verbot gleichgeschlechtlicher Trauungen als Vorwand für Massenverhaftungen, ist sich Sjodin sicher: „Das nigerianische Gesetz geht viel weiter als bloß Homo-Ehen zu verbieten; in Wirklichkeit ist es eine Möglichkeit, jeden loszuwerden, der sich für die Menschenrechte von LGBT-Personen einsetzt.“