So verschlechtert sich die Lage für Lesben und Schwule in Tansania

Gefängnis, Verfolgung und sogar der Tod droht jenen, die das gleiche Geschlecht lieben

Regenbogenflagge
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Die Verhaftung von zwanzig Teilnehmern eines HIV-Workshops auf Sansibar hat in den letzten Tagen für Aufregung gesorgt. Doch sie ist nur ein Zeichen dafür, wie sich in Tansania, zu dem Sansibar gehört, die Lage für sexuelle Minderheiten verschlechtert.

In Tansania leben mehr als 50 Millionen Menschen. Etwa je ein Drittel sind Christen, Muslime und Anhänger von Naturreligionen. Umfragen zufolge lehnen rund 95 Prozent Homosexualität ab. Das zeigt sich auch in den Gesetzen: Homosexuelle Handlungen können mit 30 Jahren Gefängnis bestraft werden, auch lebenslängliche Haftstrafen sind möglich.

In den letzten Jahren hat sich die Lage für sexuelle Minderheiten in Tansania verschlechtert

Trotzdem galt die Lage für Lesben und Schwule in Tansania lange als etwas entspannter, verglichen mit dem benachbarten Uganda. Zwar gab es auch hier Einschüchterungen und Erpressungen schwuler Männer durch die Polizei, aber es ist nicht bekannt, dass tatsächlich jemand wegen seiner sexuellen Orientierung eine längere Haftstrafe absitzen musste. Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert.

In Sansibar zum Beispiel, wo eine Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist, wurde auf Druck islamischer Gruppen im April 2004 ein eigenes Gesetz verabschiedet, das homosexuelle Handlungen zusätzlich bestraft. Auf der Insel im Indischen Ozean drohen schwulen Männern, die Sex haben, seitdem zusätzliche 25 Jahre Haft, Frauen sieben Jahre.

Bereits im letzten Jahr wurden schwule Männer festgenommen und gedemütigt

Wie das Portal Buzzfeed berichtet, sind im letzten Jahr bei einer Razzia in Sansibar zwölf mutmaßlich schwule Männer festgenommen worden. Sie mussten sich auch Anal-Untersuchungen unterziehen – eine Premiere in dem afrikanischen Land. Auch in anderen Teilen Tansanias sollen vor allem schwule Männer und Trans-Personen immer öfter festgenommen worden sein.

Ein trauriger Höhepunkt der Gewalt gegen sexuelle Minderheiten in Tansania war die Ermordung eines Aktivisten im August 2012. Als die Leiche des 29-jährigen Maurice Mjomba gefunden wurde, waren seine Hände eng hinter seinem Körper zusammengebunden. Die Verletzungen wiesen darauf hin, dass er vor seinem Tod noch sehr heftig geschlagen und verstümmelt wurde.

Die Regierung verbietet Gleitgel und HIV-Informationen, um „Homosexualität zu bekämpfen“

Und auch die Regierung verschärft ihre Rhetorik. In den letzten Jahren drohte man immer wieder damit, Organisationen zu schließen, die sich für sexuelle Minderheiten einsetzten.

Besonders bedenklich ist dabei die Rolle des Gesundheitsministeriums: Gesundheitszentren, die von privaten Organisationen betrieben wurden, mussten sich verpflichten, wegen der angeblichen „Förderung von Homosexualität“ keine Dienstleistungen für HIV-Positive und keine HIV-Tests mehr anzubieten. Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu verfügte letztes Jahr ein Verkaufs- und Importverbot für Gleitmittel – angeblich als Maßnahme gegen die Verbreitung von HIV.

Und ihr Stellvertreter Hamisi Kigwangalla wird sogar noch deutlicher: Er drohte im Frühjahr auf Twitter, eine Liste mit Namen männlicher Sexarbeiter zu veröffentlichen. Homosexualität sei „unnatürlich“ und er werde das „Homosexualitäts-Syndikat“ mit Verhaftungen bekämpfen, drohte der Vize-Minister.