Kardinal Marx kann sich Segnung homosexueller Paare vorstellen

Allerdings nur in Einzelfällen - ein zaghafter Fortschritt ohne tatsächliche Konequenzen

Reinhard Marx
Wolfgang Roucka/Erzbischöfliches Ordinariat München - CC BY-SA 3.0

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland geht weiter zaghaft auf Lesben und Schwule zu. In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) hat nun auch Kardinal Reinhard Marx  gemeint, die Kirche könnte im Einzelfall auch schwule und lesbische Paare segnen.

Neue Erkenntnisse stellten die Kirche vor neue Herausforderungen, sagt Marx

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz war am Samstag im BR-„Interview der Woche“ zu Gast. Auf die Frage, warum es beim Eingehen der Kirche auf Wünsche von Gläubigen, etwa bei der Segnung von homosexuellen Paaren oder der Aufhebung des Zölibats nur eine mäßige Entwicklung gebe, sagte der Erzbischof, neue Lebensumstände und neue Erkenntnisse stellten die Kirche vor Herausforderungen.

Priester müssten die Situation der einzelnen Menschen ernst nehmen und sie seelsorglich begleiten, der und Erzbischof von München und Freising: „Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben“, sagte Marx im Hinblick auf homosexuelle Paare: „Ich sehe da eigentlich keine Probleme.“

Eine andere Frage sei, „wie das öffentlich, liturgisch passiert“. Da müsse man „zurückhalten und in guter Weise darüber nachdenken“, so Marx. Ein generelles Ja zur Segnung schwuler und lesbischer Paare sieht der Kardinal darin allerdings nicht. „Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln“, schränkt der Erzbischof ein. „Das halte ich nicht für richtig, weil es hier um Seelsorge für Einzelfälle geht. Das muss ich dem Seelsorger und der Begleitung vor Ort überlassen.“, so Marx.

Noch 2015 hielt Marx solche Segnungen nicht mit Lehre und Tradition der Kirche vereinbar

Noch im Mai 2015 hatte Marx gemeint, dass die Forderung nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften „mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar“ sei. Auch die Forderung nach einer „vorbehaltlosen Akzeptanz“ des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften widerspreche „der Lehre und Tradition der Kirche“, erteilte Marx damals den Forderungen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eine Absage.

Vier Monate später tadelte er bei einem Empfang Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel: Der Staat habe nicht das Recht, die Zivilehe „neu zu definieren“, sagt der Kardinal in seiner Rede. „Das ist nicht eine Auffassung der Kirche, sondern er findet Ehe und Familie vor“, erklärte Marx. Die heterosexuelle Ehe sei „notwendig für die Zukunft der Gesellschaft“, deshalb habe der Staat „nur das Recht, sondern die Pflicht, diesen Bereich in besonderer Weise zu schützen“.

Die Diskussion über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hat im Jänner der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode angestoßen: Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte in einem Interview gemeint, man müsse über solche Segnungen „ausführlicher diskutieren“: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten- Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?“, so Bode.