Datenschutz: So unsicher sind Grindr und PlanetRomeo wirklich

Der Stiftung Warentest zufolge senden Dating-Apps zu viele Daten - auch an Facebook und Co.

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Keine guten Noten stellt die deutsche Stiftung Warentest diversen Dating-Apps aus. Diese würden mehr Daten übertragen als notwendig, so die Konsumentenschützer. Getestet wurden mit Grindr und PlanetRomeo auch zwei Apps für Schwule und mit Lesarion eine App, die sich an Lesben richtet.

Nur fünf von 44 Dating-Apps sind für die Stiftung Warentest akzeptabel

Getestet wurden 22 Anbieter, die jeweils Apps für iOS und Android anbieten. Das Ergebnis: Von den insgesamt 44 App-Versionen wurden nur fünf als „akzeptabel“ bewertet: Das eher unbekannte Angebot Bildkontakte für iOS und Android; eDarling, Lovescout24 und neu.de nur in der Android-Version. Alle anderen hätten erhebliche Mängel beim Umgang mit Daten: Sie würden diese schlecht schützen oder gar an Dritte weitergeben, kritisiert die Stiftung Warentest.

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Außerdem sind die meisten Dating-Apps sehr hungrig nach unseren Daten: Neben persönlichen und intimen Details, die wir oft ohne nachzudenken weitergeben, übermitteln die Apps auch technische Informationen wie Gerätekennungen, Standorte oder Mobilfunkanbieter. Diese werden zum Teil auch an Werbenetzwerke, Facebook oder andere Unternehmen gesendet. Wer in welchem Umfang welche Infos erhalte, bleibe „nebulös“, kritisieren die Tester.

Grindr sendet den Standort schon beim Start – was in einigen Ländern lebensgefährlich sein kann

Besonders kritisiert die Stiftung Warentest in diesem Zusammenhang Grindr. Denn die App sendet schon beim ersten Start Standortdaten. In schwulenfeindlichen Ländern kann das zur Bedrohung werden. So berichten Aktivisten aus Ägypten oder Tschetschenien, dass die Behörden gezielt auf die Daten von Dating-Apps zugreifen. Die iOS-App schicke zudem Alter und Geschlecht des Nutzers an Werbefirmen. Der Name des Mobilfunkbetreibers und Benutzungsstatistiken gingen an Facebook.

Besser schneidet im Test der deutschen Konsumentenschützer die bei uns ebenfalls sehr beliebte PlanetRomeo-App ab. Diese sende in der Android-Version keine unnötigen Daten, lobt die Stiftung Warentest. Allerdings übermittle die iOS-Version den Mobilfunkanbieter an Facebook sowie „zahlreiche Detailinfos zum Gerät“ an Microsoft.

Die Datenschutzerklärung gibt es bei Grindr und PlanetRomeo nur in Englisch

Ein weiterer Kritikpunkt: Sowohl bei Grindr als auch bei PlanetRomeo liege die Datenschutzerklärung nur in englischer Sprache vor, kritisieren die Tester. Diese sind bei vielen getesteten Dating-Apps sehr ungenau: Wollen Nutzer erfahren, welche Daten von ihnen erhoben werden und was damit geschieht, stoßen sie oft auf schwammige Formulierungen mit teils deutlichen juristischen Mängeln.

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Keine besonders gute Bewertung bekommt auch die für lesbische Frauen gedachte Dating-App Lesarion: Es sei „ärgerlich“, dass die E-Mail-Adresse schon bei der Eingabe übermittelt werde, ohne dass die Userin den „Senden“-Button drückt. Auch die Datenschutzerklärung sei „sehr ungenau“, so fehlten beispielsweise nähere Informationen zum Löschen des Profils.

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