Dienstag, 28. Mai 2024
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George Michael als Heiliger: Christlicher Extremist zerstört Wandbild

Richterin in Sydney macht klar: Religion ist keine Ausrede für Vandalismus

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Ein Gericht in Sydney hat heute einen Mann verurteilt, der aus angeblich religiösen Gründen ein Wandbild des bekannten britischen Sängers George Michael beschädigt hat.

Heiliger mit Poppers und Joint: So wollten ihn Freunde von George Michael ehren

Das Bild auf einer Außenmauer in Newtown, einem Außenbezirk von Sydney, zeigt George Michael als Heiligen. In einer Hand hält er eine Poppers-Flasche, in der anderen einen Joint. Dazu trägt er einen Kruzifix-Ohrring. Damit spiegelt das Bild einige Vorlieben des Sängers akkurat wider.

Geschaffen wurde das Kunstwerk im letzten Jänner vom Künstler Scott Marsh. Das Haus, dessen Mauer bemalt wurde, gehört zwei Freunden von George Michael, die auf diese Weise ihrem toten Freund gedenken wollten. „Wir wollten nie religiöse Ansichten angreifen – es ging uns darum, unseren Freund und Ikone der Community zu ehren. Das Wandbild hat ihn als Heiligen dargestellt, weil er das für uns ist.“

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Der radikal-christliche Aktivist wurde bei der Tat gefilmt

Doch im November wurde das Bild von Ben Gittany, einem radikal-christlichen Aktivisten zerstört. Er schüttete einen Eimer schwarze Farbe über das Bild, nachdem sich mehrere User der Facebook-Gruppe „Christian Lives Matter“ mit homophoben Kommentaren über das Bild beschwert hatten. Passanten hatten ihn allerdings dabei gefilmt und das Video auf Facebook gestellt. So konnte der Vandale bald gestellt werden.

Nun wurde er der schweren Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Richterin Carolyn Huntsman machte klar, dass seine religiösen Überzeugungen keine Rechtfertigung für den Vandalenakt sein können: „Wir sind eine plurale Gesellschaft“, machte sie klar. Das Urteil soll im September verkündet werden.

Für den Künstler sind das Urteil und die Begründung ein Grund zur Freude

Für den Künstler ist das Urteil eine Genugtuung: „Es ist ein tolles Ergebnis und ich bin mir sicher, dass es für alle in der lokalen Gemeinschaft eine große Erleichterung ist“, sagte Marsh dem Online-Portal GayStarNews.

Und dieser Meinung waren auch die Zuhörer im Gerichtssaal – darunter viele Angehörige sexueller Minderheiten, die mit T-Shirts kamen, auf die das Bildnis von George Michael an der Wand gedruckt war. Dementsprechend freut sich auch Simon Hunt, der auch als Pauline Pantsdown bekannt ist, über das „wunderbare Ergebnis“.

„Richterin Carolyn Huntsman hat die Tat als schädlich für die LGBT-Community anerkannt und hat unsere queere Ikonografie als wertvoll anerkannt“, freut sich die Drag Queen. Und George Michael? „Ich weiß, dass er uns heute zusieht und kächelt. Er ist in so vielen unserer Herzen lebendig. Das kann man nicht übermalen“, sagt einer der Hausbesitzer.