Asyl abgelehnt: LGBT-Aktivist für Behörde nicht schwul genug

Der Iraker engagiert sich in der Grazer Community - und der ÖVP-Stadtrat, der sich vorher gern mit ihm fotografieren ließ, schweigt

Kurt Hohensinner, Firas. Joe Niedermayer
Rosalila PantherInnen

Weil er ihm nicht schwul genug aussah, hat der zuständige Beamte im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) den Asyl-Antrag eines 18-jährigen Afghanen abgelehnt. Dass das kein Einzelfall ist, zeigen nun die Rosalila PantherInnen (RLP) auf. Denn auch in der Steiermark wurde einem schwulen Asylbewerber seine Homosexualität nicht geglaubt – obwohl er sich in dem LGBT-Verein tatkräftig engagiert.

Der 27-jährige Firas ist wegen seiner sexuellen Orientierung aus dem Irak geflohen – vor dem BFA hat er beim Asylantrag mehrere Situationen angegeben, die für den jungen Mann in seine Heimat brenzlig geworden sind.

Sein Engagement für die Grazer Community zählt nicht für die Entscheidung

In der Steiermark angekommen engagiert er sich bei den RLP: Er übersetzt eine Coming-Out-Broschüre auf Arabisch. Dafür gibt es Applaus von der Politik, bei der Präsentation lässt sich auch ÖVP-Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner mit Firas fotografieren. Außerdem hilft der Iraker bei Veranstaltungen wie dem Tuntenball oder dem CSD Parkfest tatkräftig mit. Vor dem Bundesamt kann er schließlich über schwule Internet-Plattformen und Szenelokale in Wien und Graz erzählen, die er kennt und in die er geht.

Doch all das reicht dem BFA offenbar nicht: Firas hat einen negativen Asylbescheid bekommen – die Beamten glauben ihm nicht, dass er schwul ist.

„Wir glauben, dieses Vorgehen hat System“

Ein Grund dafür: Sein Vater, der zum Asylfall seines Sohnes befragt wurde, habe die Homosexualität seines Sohnes in einem Gespräch abgestritten. „Die Unwissenheit des Vaters unterstreichen nur, dass Homosexualität ein triftiger Flüchtlingsgrund ist! Es zeigt, wie schwierig die Situation für Firas ist. Er wird nicht nur verleugnet, sondern als Schwuler in seinem Heimatland verfolgt und zu Tode gefoltert“, ist Joe Niedermayer, Obmann der RLP, verzweifelt.

„Wir glauben, dieses Vorgehen hat System“, setzt Niedermayer fort. Bei den RLP glaubt man deshalb, dass Flüchtlinge, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in Österreich Schutz suchen, vom BFA „offenbar systematisch abgeschoben“ werden. Die PantherInnen wollen Firas auf jeden Fall weiter unterstützen. ÖVP-Stadtrat Hohensinner, der sich vor kurzem noch stolz mit Firas fotografieren ließ, wollte zu dem Fall keine Stellungnahme abgeben.