Chile: Präsident unterschriebt modernes Transgender-Gesetz

Der konservative Politiker ist davon überzeugt, dass seine Unterschrift ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Flagge von Chile
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In Chile ist eines der fortschrittlichsten Transgender-Gesetze der Welt in Kraft getreten: Es sieht vor, dass Menschen ab ihrem 14. Geburtstag das Recht haben, ihren Namen und das Geschlecht amtlich ändern zu lassen.

Fünf Jahre wurde um das Gesetz gestritten

Nach fünf Jahre dauernden Diskussionen hat der Kongress des südamerikanischen Landes das Gesetz bereits im September verabschiedet. Letzte Woche hat auch Chiles Präsident Sebastián Piñera von der konservativen Nationalen Erneuerungspartei das Gesetz unterschrieben. Eingebracht wurde es noch von seiner Vorgängerin, der linken Politikerin Michelle Bachelet.

Damit kann es in Kraft treten. Die Maßnahme werde zur Überwindung „schmerzhafter, diskriminierender Erfahrungen“ beitragen, sagte Piñera. „Mir ist klar, dass es bei diesem Thema unterschiedliche Meinungen gibt“, sagte der Politiker, in dessen Partei das Gesetz sehr umstritten ist. „Ich bin aber davon überzeugt, dass wir mit meiner Unterschrift einen Schritt in die richtige Richtung gehen.“

Für den konservativen Präsidenten ist das Gesetz ein Schritt in die richtige Richtung

Aber der Präsident machte auch deutlich, dass ein Gesetz alleine dazu nicht reichen wird. Das Ende der Benachteiligung von Transgender-Personen werde „einen kulturellen Wandel erfordern, der in der Seele stattfinden muss, in den Herzen aller Chilenen“, machte Piñera deutlich.

Künftig ist es in Chile für alle Jugendlichen und Erwachsenen möglich, durch einen einfachen Antrag am Standesamt die Geschlechtsangabe und den Vornamen in derGeburtsurkunde zu ändern. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren brauchen dazu die Erlaubnis eines Elternteils oder Vormunds, zudem muss ein Familiengericht zustimmen. Ein ärztliches Attest ist nun nicht mehr notwendig.

LGBT-Organisationen kritisieren, dass Kinder von dem Gesetz ausgenommen sind

Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr haben allerdings keine Möglichkeit, ihr Geschlecht ändern zu lassen. Das hat zu Kritik von Transgender-Organisationen geführt, die das Gesetz ansonsten loben. Die größte chilenische LGBT-Organisation Movilh betonte, wegen des Ausschlusses von Kindern unter 14 Jahren habe das Gesetz einen „bittersüßen Beigeschmack“.

Das Gesetz ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich das konservative und römisch-katholisch geprägte Land weiter öffnet. Erst im Jahr 2004 wurde die Scheidung legalisiert, 2017 wurde das absolute Abtreibungsverbot in besonderen Fällen gelockert.

Davon profitieren auch sexuelle Minderheiten: Seit 2015 gibt es in Chile Eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare. Bereits im Mai hatte das Oberste Gericht entschieden, dass Erwachsene ihren Namen und ihr Geschlechtauch ohne chirurgische Operationen anpassen könnten.