Grindr-Boss ist gegen die Öffnung der Ehe

Von der chinesischen Mutterfirma eingesetzter (heterosexueller) Präsident tappt in ein veritables Fettnäpfchen

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Für einen Shitstorm hat Scott Chen, Präsident der schwule Dating-App Grindr, gesorgt. Er betonte in einem Facebook-Posting, dass die Ehe für ihn „ein heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau“ sei. Bei den Usern kam das erwartungsgemäß nicht so gut an.

Ehe ist für den Grindr-Chef ein „heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau“

Chen schrieb seinen Kommentar offenbar im Zusammenhang mit der gescheiterten Öffnung der Ehe in Taiwan. „Einige Menschen glauben, dass die Ehe ein heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau ist. Ich glaube das auch. Aber jeder soll sich um seine eigenen Sachen kümmern“, machte der heterosexuelle Grindr-Präsident seine Meinung deutlich. Chen wurde 1977 in der taiwanischen Hauptstadt Taipei geboren, lebt aber seit 15 Jahren in den Vereinigten Staaten.

Damit sorgte Chen für einen veritablen Shitstorm. User kündigten an, ihr XTRA-Abo zukündigen oder Grindr zu löschen. Auf Facebook schrieben User Kommentare wie „Deshalb zahle ich nichts für Grindr“, „Feuert den Idioten“ oder „Echt jetzt? Einem Hetero gehört Grindr??“ Grindr ist seit 2016 im Besitz des chinesischen Unternehmens Beijing Kunlun Tech, das unter anderem Computerspiele entwickelt. Seidem leitet Chen das Unternehmen.

Auch in der Grindr-Zentrale in Kalifornien sorgten die Aussagen des Chefs für Irratationen. „Das Ziel von Grindr als Unternehmen ist die rechtliche Gleichstellung aller LGBTIQ-Menschen weltweit – gerade wenn es um Dating und um Liebe geht. Und für viele unserer User ist die Ehe ihr Hauptziel, wenn sie unsere App verwenden“, betonte Zach Stafford, Chief Content Officer, gegenüberder Tageszeitung The Guardian.

In einer Reaktion betont Chen, ein „großer Verfechter“ von LGBT-Rechten zu sein

Kurz darauf löschte Chen den vielkritisierten Beitrag und verfasste einen neuen: „Mein Verständnis der Ehe als heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau basiert auf meiner eigenen Erfahrung“, erklärte er und machte klar, dass er ein „großer Verfechter“ von LGBT-Rechten sei: „Ich bin für die Ehe für alle und bin stolz, dass ich für Grindr arbeiten kann“, betonte er.

Es ist nicht das einzige Problem, das Grindr in den letzten Monaten hatte: Erst im März hatte es einen Skandal um die Weitergabe von User-Daten gegeben. Auch ist unsicher, wie die Grindr-Mutterfirma Beijing Kunlun Tech mit den Daten umgeht. Nach chinesischem Recht muss sie diese den Sicherheitsbehörden weitergeben – auch den Geheimdiensten, die damit Personen in allen Teilen der Welt unter Druck setzen könnten.