Keine Unterwäsche-Fotos mehr auf Scruff

Auf Druck der App Stores verschärfen die Betreiber die Richtlinien

Scruff
Scruff/GGG.at

Keine Unterwäsche dürfen die Profilfotos der beliebten schwulen Dating-App Scruff mehr zeigen. Auch sonst wurden die Richtlinien für diese Bilder empfindlich verschäft. Grund dafür sind strengere Vorschriften von Apple und Google.

Keine Unterwäsche oder enge Badehosen mehr auf Profilfotos

Das hat die App ihren Usern über eine Pop-Up-Meldung mitgeteilt. So sind ab sofort auf Scruff alle Profilbilder verboten die eine deutliche Beule zeigen – also beispielsweise in Jockstraps, Unterwäsche oder „Kleidung im Bikini-Stil“, also engen Badehosen. Außerdem verboten sind nun sexuell anzügliche Umarmungen oder Küsse, wie Geschäftsführer Eric Silverberg in einem Blogeintrag erklärte. Privat geteilte Fotos sind davon nicht betroffen

Der Grund für die neuen Regelungen: Die einzelnen App-Stores haben ihrerseits die Kriterien verschärft. Deshalb ist Scruff in diesem Jahr schon kurzfristig aus einem App Store geworfen worden. Eine dauerhafte Löschung „wäre für unsere Firma und unsere Gemeinschaft verheerend gewesen“, so Silverberg – darum beugt man sich den Moralvorstellungen der Tech-Konzerne.

„Angesichts der Tatsache, dass Scruff eine Gemeinschaft ist, die offen und positiv über Sex, Körper und Intimität spricht, glauben manche, dass solche Regeln diesen Werten widersprechen. Diese Kritik ist unbegründet“, betont Silverberg: „Scruff respektiert die Bedenken unserer Community in dieser Sache und wir bitten alle, uns und alle Technologieunternehmen, die sich für Standards bei Inhalten einsetzen, weiter zu unterstützen.“

In der Community ist der Ärger über die neuen Richtlinien groß

Doch diese Unterstützung innerhalb der Community ist endendwollend. Zu groß ist der Ärger, dass sich immer mehr Unternehmen den fragwürdigen Richtlinien der Online-Riesen beugen, die in erster Linie weltweit funktionieren und niemanden empören sollen. „Craigslist. Backpage. Tumblr. Und jetzt schreibt sogar Scruff, eine schwule Dating-App für die man volljährig sein muss, um sie zu benutzen, den Weg vor, wie User Fotos posten können“, ärgert sich beispielsweise Amp Somers, Betreiber des Video-Blogs „Watts the Safeword“, auf Twitter.

Mittlerweile wurde bekannt, dass auch die Dating-App Grindr ihre Richtlinien für Profilbilder verschärft hat. Auch dort sind jetzt „Aufnahmen des Schrittbereichs aus jedem Winkel“ verboten. Das Verbot für Umarmungen und Küsse gibt es bis jetzt aber nur auf Scruff.

Für die Apps ist es lebenswichtig, nicht aus den Stores der Anbieter zu fliegen

US-User führen die strengeren Regeln auf zwei Gesetze zurück, die eigentlich Menschenhandel verhindern sollen: Den Stop Enabling Sex Traffickers Act (SESTA) und den Allow States and Victims to Fight Online Sex Trafficking Act (FOSTA), die seit April 2018 in Kraft sind. Darin werden Internet-Provider oder Webseiten-Betreiber dafür haftbar gemacht, wenn ihre Infrastruktur für Menschenhandel verwendet wird.

Das weist Silverberg zurück: „Die Änderung soll unsere Inhaltsstandards an die sich weiterentwickelnden Inhaltsstandards der App-Store-Betreiber anpassen“, so der Scruff-Manager diplomatisch. Um welchen App Store es sich handelte, verriet er nicht. Sich an diese Änderungen nicht zu halten, kann fatale Folgen haben: So verschwand Tumblr aus diesem Grund 17 Tage lang aus Apples App Store. Für ein Service wie Scruff, das nur als App verfügbar ist, wäre das nicht hinnehmbar.