Nach 15 Jahren: Wien bekommt endlich ein Homosexuellen-Mahnmal

Resselpark statt Morzinplatz: Das Ende einer unendlichen Geschichte?

Wien
GGG.at

Der Kampf um ein Mahnmal für die während des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Wien war mühsam: Der erste Entwurf galt plötzlich als nicht praktikabel, der erste Ort im Nachhinein als nicht mehr geeignet. Es folgten mehrere temporäre Denkmäler, deren Sinn sich dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschlossen hatte. Nun ist ein hoffentlich finaler Standort für das Denkmal fixiert.

Das Denkmal soll im Resselpark bei der Karlskirche aufgestellt werden

Das permanente Denkmal wird im Resselpark bei der Karlskirche im vierten Bezirk umgesetzt, gaben Antisiskriminierungs-Stadtrat Jürgen Czernohorszky und Kultur-Stadträtin Veronica Kaup-Hasler bekannt. „Mit dem Resselpark wurde ein zentraler lebendiger Ort mitten in der Stadt für das künftige Denkmal der Opfer der Homosexuellen-Verfolgung im Nationalsozialismus gefunden“, so die Kulturstadträtin.

Cernohorsky nennt den Reseelpark als Denkmal-Ort „einen zentralen und belebten Erinnerungsort, an dem das Gedenken an die schwulen Männer und lesbischen Frauen einen Platz in unserer Gegenwart und unserem Alltag erhält“. Und Kaup-Hasler ergänzt: „Nach einer Reihe von temporären Kunstprojekten wird eine Opfergruppe, die sonst nicht gerade im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung steht, eine würdige zeitgenössische Erinnerungsstätte erhalten“.

Der erste Entwurf erwies sich nachträglich als nicht durchführbar, temporäre Kunstwerke verstörten

Damit hat die Suche nach einem Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden, nach gut 15 Jahren ein hoffentlich gutes Ende gefunden. So sollte das Denkmal zunächst am Morzinplatz stehen, wo sich im ehemaligen Hotel Metropol das Gestapo-Hauptquartier befunden hatte. Im Jahr 2006 gab es einen Wettbewerb, dessen Siegerentwurf von Künstler Hans Kupelwieser – ein Becken mit pinkem Wasser und dem Wort „Queer“ – sich letztlich als technisch nicht umsetzbar erwies. In den Jahren 2010 bis 2015 hat die Initiative „Kunst im Öffentlichen Raum“ (KÖR) jährliche temporäre Mahnmale installiert, die nicht immer leicht vermittelbar waren.

So gab es zu Beginn das Kunstwerk „Mahnwache“ von Ines Doujak zu sehen: Drei Monate lang hielten Personen eine Mahnwache am Morzinplatz, dabei trugen sie Tafeln mit Collagen, deren Basis Photos von kotzenden und schreienden Personen waren, die aus dem Ohr bluten. Doujak, deren Arbeiten von einer feministischen Perspektive geprägt sind, wollte damit „visuelle Turbulenzen“ schaffen, „die ihr Gegenüber heraus- und gegebenenfalls auch überfordern“.

Im Jahr 2015 später sorgte „raising the bar“ von Simone Zaugg vor allem für fragende Gesichter und Unverständnis. Die Installation beim Marktamt am Naschmarkt war „ein labyrinthisches Geländersystem, das ansteigt bzw. abfällt, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet“, so Martina Taig von KÖR damals. Die Stahlrohre grenzten direkt an das bestehende Metallgeländer, bei dem die Flohmarkt-Standler am Samstag auf ihre Platzkarten warten.

Im April 2020 soll das Siegerprojekt feststehen

Nun ist für November 2019 die konstituierende Jurysitzung für den Wettbewerb geplant. Die Wettbewerbs-Jury wird sich aus Künstlern, Landschaftsplanern, Vertretern der Communities sowie des Bezirks und der zuständigen Magistrate zusammensetzen. Sie wird im April 2020 das Siegerprojekt küren. Danach soll sofort mit der Planung für die Umsetzung begonnen werden.

Das Projekt wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich unterstützt, als Gesamtbudget stehen für den Wettbewerb und die Realisierung des Siegerentwurfs € 300.000,-  zur Verfügung.