Geländer am Naschmarkt erinnern an NS-Terror gegen Homosexuelle

Trotz zahlreicher Beschlüsse und Zusagen gibt es in Wien noch immer kein dauerhaftes Homo-Mahnmal. Gestern wurde am Naschmarkt mit „Raising The Bar“ erneut ein temporäres Mahnmal für die homosexuellen und Transgender-Opfer der NS-Diktatur aufgestellt.

Die Installation der Schweizer Künstlerin Simone Zaugg beim Marktamt ist „ein labyrinthisches Geländersystem, das ansteigt bzw. abfällt, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet“, erklärt Martina Taig von „Kunst im Öffentlichen Raum“ (KÖR), dem ORF. Die Stahlrohre grenzen direkt an das bestehendes Metallgeländer an, bei dem die Flohmarkt-Standler am Samstag auf ihre Platzkarten warten.

Trotzdem sollte sich dem Betrachter die tiefere Bedeutung der Metallstäbe recht bald erschließen: „Das Ansteigen des Geländers zeigt das physische Hindurchschlüpfen durch Barrieren und somit das Überwinden des vorgegebenen Systems“, so Taig weiter. Dadurch solle auch gezeigt werden, „dass sich im Bereich Homosexualität etwas bewegt“.

Während die bisherigen Installationen am Morzinplatz zu sehen waren, wo auch schwule Männer im Gestapo-Hauptquartier inhaftiert und gefoltert wurden, ist diesmal der Naschmarkt als Ort gewählt worden. „Anders als bei den jüdischen Opfern, die aus ihren Wohnungen gezogen wurden, gab es bei der Verfolgung von Homosexuellen eine andere Art des Zugriffs“, erklärt der offen schwule Bezirksvorsteher von Mariahilf, Markus Rumelhart: „Hier war es vor allem der Verrat von Bekannten an Orten, die als Treffpunkt galten und in der umliegenden Lokalszene, wie der Naschmarkt.“

Die Idee, ein temporäres Mahnmal für die homosexuellen und Transgender-Opfer des Nationalsozialismus zu schaffen, gibt es seit mehreren Jahren. Sie entstand aus einer Not: Am Morzinplatz sollte ein ständiges Mahnmal entstehen – allerdings bemerkte die Stadt Wien zu spät, dass der gekürte Siegerentwurf, der ein Becken mit rosa gefärbtem Wasser vorsah, nicht realisierbar sei. Seitdem gibt es jährlich wechselnde Entwürfe.

Einen neuen Anlauf für ein permanentes Mahnmal soll es im Juni geben. Dann präsentiert die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger die Ergebnisse einer Fachkonferenz zu diesem Thema, die im letzten Herbst tagte.