Sexualpädagogik an Schulen: Auch Katholische Jugend gegen Pläne von ÖVP und FPÖ

Einhellige Kritik an Entschließungantrag der ehemaligen Koalitionspartner

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Am Dienstag stimmt der Nationalrat über einen umstrittenen Plan der ehemaligen Koalitionspartner ab: ÖVP und FPÖ wollen externe Vereine in österreichischen Schulen ganz aus dem Sexualkundeunterricht verbannen. Experten schlagen Alarm und sehen die Sexualpädagogik gefährdet.

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So wurde Mitte Juni im Unterrichtsausschuss des Nationalrats mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ ein entsprechender Entschließungsantrag beschlossen. Ausgerechnet die offen lesbische Bildungsministerin Iris Rauskala wird darin aufgefordert, „die erforderlichen Schritte einzuleiten, damit eine altersgerechte und weltanschaulich neutrale Sexualerziehung ohne Beiziehung von schulfremden Personen oder Vereinen, sondern durch an der Schule wirkenden Pädagoginnen und Pädagogen sichergestellt ist“.

In einer Aussendung betonte die ÖVP, dass Vereine außerhalb des Unterrichts nach wie vor unterstützend eingreifen könnten. Doch das bezweifeln auch Experten. Mit dem Beschluss würde die Sexualpädagogik an Schulen de facto abgeschafft, heißt es in einem Appell, der von Fachleuten und rund 100 Institutionen – von den Pfadfindern bis zu den Aids-Hilfen – unterstützt wird.

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Der Ausschluss sexualpädagogischer Vereinen aus dem Unterricht sei „ein fundamentaler Rückschritt in der Prävention von sexualisierter Gewalt, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Infektionen“, erklärte beispielsweise Gabriele Rothuber von der Fachstelle Selbstbewusst.

Sogar der Bundesvorstand der Katholischen Jugend Österreich (KJÖ) sprach sich gegen den Entschließungsantrag von ÖVP und FPÖ aus. „Sexualpädagogische Bildung trägt wesentlich zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften bei Jugendlichen, zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten, zur Entwicklung eines respektvollen und achtsamen Umganges miteinander und zur Prävention vor sexualisierter Gewalt bei. Sie ist essenziell zur Entwicklung eines gesunden Zugangs zur eigenen Körperlichkeit und des Selbstwerts von Kindern und Jugendlichen“, betont Eva Wimmer, Vorsitzende der KJÖ: „Durch den Antrag soll die Hinzunahme von externen ExpertInnen im Bereich der schulischen Sexualpädagogik komplett untersagt werden“, warnt sie.

Im Bildungsministerium versucht man den diplomatischen Spagat. Man betont, dass man an die Entscheidungen des Gesetzgebers gebunden sei. „Wichtig ist uns, dass die Kinder und Jugendlichen auf die Bedürfnisse des eigenen Körpers altersgerecht vorbereitet werden und dass das so professionell wie möglich erfolgt. Da geht es insbesondere um eine stabile Persönlichkeitsentwicklung“, heißt es aus dem Ministerium.