Berlin: Ein Drittel mehr Angriffe auf sexuelle Minderheiten

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Im letzten Jahr hat das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo so viele Angriffe und Beleidigungen gegen Schwule, lesbische Frauen und Transsexuelle gezählt wie nie zuvor. Insgesamt wurden 559 Fälle mit homo- und transphobem Hintergrund erfasst. Das ist um gut ein Drittel mehr als im Jahr zuvor – und ein neuer Höchststand der gemeldeten Vorfälle.

177 Meldungen mehr als im Jahr zuvor – und das ist nur die Spitze des Eisberges

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 760 Personen beraten, dabei konnte Maneo 559 Fälle mit homo- und transfeindlichem Hintergrund auswerten. Das sind 177 mehr als im Jahr zuvor. Dabei richteten sich 385 Taten gegen Schwule und bisexuelle Männer, das sind um 38 Prozent mehr als 2018. 83 Delikte, die von Maneo registriert wurden, richteten sich gegen Trans-Personen und 47 gegen Lesben oder bisexuelle Frauen.

Doch das bedeutet nicht unbedingt, dass es in der deutschen Hauptstadt auch mehr Gewalt gegen sexuelle Minderheiten gebe, betont Maneo-Leiter Bastian Finke. Denkbar sei auch, dass „mehr Fälle aus dem als sehr hoch einzuschätzenden Dunkelfeld ins Hellfeld“ geführt worden seien. Er gehe trotzdem „von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent“ aus, so Finke.

Mehr Körperverletzungen wurden gemeldet, jeder zweite Vorfall passierte in der Öffentlichkeit

Bei den Fällen mit Körperverletzungen hat Maneo einen besonders hohen Anstieg registriert: Waren es 2018 noch 90 Fälle, stieg diese Zahl im Vorjahr auf 153 Vorfälle an, das ist ein Anstieg um 70 Prozent. Die meisten Taten, nämlich 176, waren Beleidigungen. 18 Fälle waren Nötigungen und Bedrohungen, doppelt so viele wie noch 2018.

Jeder zweite Vorfall ereignete sich im öffentlichen Raum. Die meisten Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten gibt es dabei ausgerechnet in Schöneberg – jenem Viertel, in dem sich auch der Regenbogenkiez befindet. Hier hat Maneo 94 Fälle gezählt, um 29 mehr als im Jahr zuvor. In Neukölln gab es 65 Fälle, die dem Anti-Gewalt-Projekt gemeldet wurden, ein Plus von 15 Fällen, in Berlin-Mitte waren es 62 Fälle, um 28 mehr als im Jahr zuvor.

Die Polizei registrierte sogar doppelt so viele Fälle von Hasskriminalität

Die Zahlen der Berliner Polizei, die aufgrund einer anderen Zählweise nicht mit jenen von Maneo vergleichbar sind, zeigen sogar einen noch höheren Anstieg: Sie registrierte 2019 insgesamt 344 Fälle von Hasskriminalität gegen die sexuelle und geschlechtliche Identität – doppelt soviel wie noch im Jahr zuvor.

„Neben der guten Nachricht, dass viele den Weg zur Polizei gefunden und Anzeige erstattet haben, bleibt es weiter eine grosse Herausforderung für unsere Stadt, die Botschaften eindeutig zu kommunizieren, dass Hass und Gewalt gegen LGBTIQ nicht akzeptiert wird, dass die Solidarität den Opfern gehört und Uneinsichtige mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen müssen“, so Finke.