„Batman“-Regisseur Joel Schumacher gestorben

Der offen schwule Regisseur schrieb Filmgeschichte - und war recht offen, was sein Sexleben anging

Joel Schumacher
Casper2006/Wikimedia

Der offen schwule US-Regisseur Joel Schumacher ist tot. Der Filmemacher starb im Alter von 80 Jahren in New York an den Folgen eines Krebsleidens, wie die PR-Agentur ID-PR am Montag mitteilte. Schwule Filmgeschichte schrieb er unter anderem mit den hautengen Kostümen, die Batman und Robin 1997 in seinem gleichnamigen Film getragen haben. 

Schumacher übernahm die “Batman”-Reihe in den 1990er Jahren von Regiekollegen Tim Burton. Sein erster Film der Reihe war “Batman Forever” 1995 – ein überdrehtes und buntes Spektakel mit Val Kilmer als Batman und Jim Carrey als Riddler. Es war Schumachers finanziell erfolgreichster Film. 

Mit „Batman & Robin“ sorgte Schumacher bei schwulen Fans für Fantasien

Zwei Jahre später folgte “Batman & Robin” – starbesetzt, aber finanziell ein Debakel. Val Kilmer spielte den Fledermausmann, Chris O’Donnell seinen jungen Gefährten. Die Rollen der Bösewichte übernahmen Arnold Schwarzenegger und Uma Thurman. Der Film wurde elf Mal für die Goldene Himbeere nominiert, einen Schmähpreis für besonders schlechte Produktionen. 

Zum 20. Jahrestag der Comic-Verfilmung entschuldigte sich Schumacher in einem Interview mit dem Vice-Magazin bei seinen Fans für den Film. Er fühle sich, als habe er “ein Baby ermordet”, sagte er, und scherzte: “Es wird auf meinem Grabstein stehen, das weiß ich”. In Erinnerung bleiben allerdings die hautengen Kostüme aus Latex, die Clooney und O’Donnell getragen haben und die Grenzen zwischen Mainstream und Fetisch verschwimmen haben lassen. 

Seine Karriere begann Joel Schumacher als Kostümdesigner

Aus diesem Blickwinkel war der Film auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: Seine Karriere hatte Joel Schumacher in den 1970er Jahren als Kostümdesigner begonnen. Sein erster großer Erfolg als Regisseur war sein dritter Film “St. Elmo’s Fire – Die Leidenschaft brennt tief” im Jahr 1995. In dem Film ging es um Drogen- und Liebesprobleme rebellischer Teenager. Die Hauptrollen spielten Jungstars wie Emilio Estevez, Rob Lowe oder Demi Moore. 

Es folgten Kultfilme wie “The Lost Boys”, “Flatliners” oder “Falling Down” mit Michael Douglas. Danach brachte Schumacher die John-Grisham-Bestseller “Die Jury” und “Der Klient” auf die Leinwand, mit den Oscar-Gewinnern Susan Sarandon, Sandra Bullock, Tommy Lee Jones und Matthew McConaughey. Auch mit Thrillern wie “8mm – Acht Millimeter”, “Nicht auflegen” oder “Die Journalistin” mit Cate Blanchett schuf er Filmgeschichte. 

Seinen letzten Spielfilm, das Verbrecherdrama “Trespass – Auf Leben und Tod”, drehte Joel Schumacher im Jahr 2011. Auch diesmal hielten ihm Stars die Treue: Die Hauptrollen übernahmen Nicolas Cage und Nicole Kidman. Noch im letzten Jahr war Schumacher Vorsitzender der Jury beim Cinepocalypse-Filmfestival in Chicago. Dabei drehte sich eine Woche lang alles um Horror, Action und Science-Fiction. Zu Ehren ihres Juryvorsitzenden wurden in Chicago auch seine Filme “Falling Down” und “Flatliners” gezeigt. 

In einem Interview erzählte er, er habe mit bis zu 20.000 Männern Sex gehabt

Privat bekannte sich Schumacher offen zu seiner eigenen Drogen- und Alkoholsucht, die er besiegt hatte und ihm jahrelang zu schaffen machte. Und auch aus seiner Homosexualität machte der Regisseur nie ein Geheimnis. “Ich habe mit neun angefangen zu trinken, mit zehn zu rauchen und habe sexuell mit anderen rumgemacht, als ich elf Jahre alt war”, erinnerte er sich letztes Jahr in einem Interview mit Vulture. 

Er habe in seinem Leben mit 10.000 bis 20.000 Männern Sex gehabt, erzählte Schumacher freimütig. Eine Zahl, die für einen schwulen Mann nicht außergewöhnlich sei, wie er meinte: “Die meisten schwulen Männer haben viele Partner, weil dies keine ‚Nein‘-Kultur ist.” Darunter waren auch Prominente – doch deren Namen wollte Schumacher nicht verraten. “Ich habe nie pikante Details ausgeplaudert über jemanden, der so nett war, mit mir ein Bett zu teilen.”