Terroranschlag: England trauert um drei erstochene schwule Männer

Mittlerweile möchte die Polizei Homophobie als Motiv nicht ausschließen

David Wallis, James Furlong und Joe Ritchie-Bennett
privat/Polizei Thames Valley

Die englische Polizei geht bei einer Messerattacke, die am Samstagabend in der Stadt Reading, 70 Kilometer westlich von London, stattgefunden hat, von einem terroristischen Anschlag aus. Bei dem Angriff wurden drei schwule Männer getötet. Mittlerweile wurde ein 25-Jähriger festgenommen – das Motiv des Mannes ist weiter unklar. 

Die drei Freunde saßen gemeinsam im Park, als der Angreifer kam

Der 25-Jährige erstach in Forbury Gardens, einem Park der Stadt, gegen 19.00 Uhr den 49-jährigen Wissenschaftler David Wallis, den 36 Jahre alten Geschichtslehrer James Furlong und den 39-jährigen US-Amerikaner Joe Ritchie-Bennett, der seit 16 Jahren in England arbeitete und dessen Ehemann vor sechs Jahren an Krebs starb. Die drei Freunde hatten im Park gemeinsam gesessen. Drei weitere Personen wurden nach dem Angriff verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden, mittlerweile aber wieder entlassen. 

Die Polizei von Thames Valley nahm den 25-Jährigen noch am Tatort fest. Der mutmaßliche Attentäter war den britischen Sicherheitsbehörden offenbar schon länger bekannt. Er war 2012 aus Libyen ins Vereinigte Königreich geflüchtet. Britischen Medien zufolge wurde er Anfang Juni aus dem Gefängnis entlassen. Dort hatte er eine Strafe für mehrere nicht terroristische Straftaten verbüßt. 

Bei der Suche nach dem Motiv tappt die Polizei noch im Dunkeln

Allerdings war der Mann im Jahr 2019 kurzzeitig ins Visier des britischen Geheimdienstes MI5 geraten, weil der Verdacht bestand, er könne zu Terrorzwecken ins Ausland gehen. Eine unmittelbare Gefahr wurde damals aber nicht festgestellt. 

Bei der Suche nach einem Tatmotiv tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln: So war der Angreifer Medienberichten zufolge psychisch krank. Zunächst war von einer zufälligen Auswahl der Opfer ausgegangen, das britische Boulevardblatt Daily Mail schrieb allerdings, dass die Ermittler mittlerweile auch Homophobie als Motiv nicht ausschließen. 

Hundert Menschen versammelten sich vor ihrem Stammpub, um zu trauern

Nachdem am Montag die Identität der Opfer bekanntgegeben worden war, legten Trauernde vor dem Blagrave Arms, der bekanntesten Schwulenbar von Reading, Blumen ab. Die drei Männer waren hier Stammgäste. Etwa hundert Menschen versammelten sich vor dem Pub zu einer Trauerkundgebung. Innerhalb weniger Stunden wurden tausende Pfund für die Beerdigungskosten und ein Denkmal gesammelt. 

Auch die Reading Pride trauerte um die Getöteten. Auf Twitter erklärte Martin Cooper, Geschäftsführer der Veranstalter, dass er die drei Opfer persönlich kannte. “Sie haben Reading als Gemeinschaft und auch die Reading Pride unterstützt”, schrieb er. “Sie werden von Vielen bitter vermisst werden. (…) Liebe verbindet, und wir müssen als Gemeinschaft zusammenkommen. Wir müssen für jeden anderen da sein.” 

Beileidsbekundungen von Boris Johnson

Premierminister Boris Johnson teilte in einer ersten Stellungnahme mit, seine Gedanken seien “bei all denjenigen, die von dem entsetzlichen Vorfall in Reading betroffen sind”. 

In Großbritannien dürften nun neuerlich die Debatten über die frühzeitige Entlassung von Straftätern aufflammen. In den letzten Jahren war das Land mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden. Die Terrorgefahr im Vereinigten Königreich sei weiterhin “erheblich”, warnte Sicherheitsminister James Brokenshire, Angriffe seien “wahrscheinlich”.