Pride Berlin: Erfolgreiche Premiere des politischen Ersatz-CSD

Sichtbarkeit und Solidarität standen im Vordergrund, nicht der Kommerz

Berlin, Alexanderplatz
Pixabay/tbreyer - C00

Nicht nur in zahlreichen österreichischen Städten, auch in Deutschland haben coronagerichte CSD-Veranstaltungen stattgefunden. In Berlin demonstrierten am Samstag bei sommerlichen Temperaturen nach Schätzungen der Polizei bis zu 3.500 Menschen. Köln hat seine Parade auf November verschoben. In Düsseldorf und Hamburg wechselt man auf das Fahrrad. 

Ein politischer Gegenentwurf zu den kommerzialisierten CSD-Paraden

Die Pride Berlin, organisiert vom queeren Aktivisten Nasser El-Ahmad, versteht sich dabei durchaus als politischer Gegenentwurf zum herkömmlichen CSD. Neben Reden gab es bei der Abschlussveranstaltung zwar Musik, kaum aber kommerzielle Elemente. Die Kundgebung wurde organisiert, weil der CSD Berlin zum Höhepunkt der Corona-Krise abgesagt wurde, El-Ahmed aber ein deutliches sichtbares Zeichen setzen wollte. 

Unter dem Motto “Save our Community, Save our Pride” führte die Route vom Nollendorfplatz über den Potsdamer Platz bis zum Alexanderplatz. Die Corona-Auflagen wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei größtenteils eingehalten. Kurz vor dem Alexanderplatz löste El-Ahmad die Veranstaltung offiziell vorzeitig auf, um bei dem Andrang die Corona-Auflagen weiter einhalten zu können. 

Ein kräftiges und wichtiges Lebenszeichen der Community

Mit der Pride Berlin sollten unter anderem die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Szene thematisiert werden: Die vorübergehenden Schließungen von Bars, Clubs und Kulturstätten könnten auch in Berlin langfristig zu einem Verlust dieser Orte führen. Thematisiert wurde auch die Situation sexueller Minderheiten in Ländern wie Polen, Russland und der Ukraine. 

Nach Angaben der Polizei sei die Pride “ohne größere Vorfälle” über die Bühne gegangen. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat allerdings eine ältere Frau der Menge mehrmals zugerufen, sie seien “krank” und “reif für die Psychiatrie” und versucht, Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren Krücken zu schlagen. 

In immer mehr deutschen Städten satteln die CSD-Veranstalter mittlerweile aufs Fahrrad um. „Der Hamburg Pride 2020 soll am 1. August als CSD-Fahrrad-Demonstration stattfinden“, hieß es letzte Woche, Essen und Düsseldorf haben am Samstag bereits Fahrrad-CSDs durchgeführt. In Köln wurde die CSD-Parade vom 5. Juli auf den 11. Oktober verschoben: „Die Form der Demonstration wird den Umständen der Corona-Pandemie angepasst sein”, heißt es seitens der Veranstalter.