Transfeindlich? Lesbentreffen in der Kritik

Immer mehr Initiativen und Förderinnen des Lesbenfrülingstreffen ziehen ihre Unterstützung zurück

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Chaos um das Lesbenfrühlingstreffen (LFT) 2021, das von 21. bis 23. Mai in Bremen stattfinden soll: Aufgrund zahlreicher transfeindlicher Vorträge haben einige Unterstützer:innen ihre Zusagen für das traditionsreiche Meeting zurückgezogen, und auch innerhalb der lesbischen Community sorgen einige Formulierungen für Entsetzen.

Seit 1974 gibt es das Treffen, nun ist es in seiner schwersten Krise

Bereits seit 1974 gibt es das Treffen, damals hatte es noch die Frauengruppe in der Homosexuellen Aktion West-Berlin als Lesbenpfingsttreffen organisiert. Unter dem jetzigen Namen gibt es das Lesbenfrühlingstreffen seit 1992, der Ort für das Treffen und das dafür verantwortliche Organisationsteam wechseln seit 1979.

Doch dieses Jahr ist einiges anders – und das liegt nicht nur daran, dass das Lesbenfrühlingstreffen dieses Jahr coronabedingt vor allem virtuell stattfindet. Denn dieses Jahr bekommen TERF („Trans-Exclusionary Radical Feminism“ – Trans-ausschließender radikaler Feminismus), ausführlichen Raum für ihre Agenda. Diese besagt, dass trans Frauen keine echten Frauen seien und cis Frauen etwas von ihrem sowieso schon kleineren Stück vom Kuchen der Teilhabe wegnehmen würden. 

Transfeindliche Feministinnen dürfen auf dem Treffen ihre Ideologie verbreiten

Auch innerhalb der feministischen Bewegung sind TERF eigentlich eher ein Randphänomen. Doch beim diesjährigen LFT sind beispielsweise die LGB-Alliance und die Women’s Human Rights Campaign prominent vertreten. Die beiden Organisationen setzen sich aktiv gegen die Rechte von trans Personen ein und machen in Deutschland etwa gegen das Selbstbestimmungsgesetz mobil. 

Eine der Moderatorinnen des Treffens ist die US-Amerikanerin Julia Beck. Sie hat mit ihrer Women’s Liberation Front (WoLF) unter anderem 2016 die US-Regierung verklagt, weil diese trans Schüler:innen die Benutzung der für sie passenden Toilette rechtlich abgesichert hat. In einer Ankündigung des LFT werden trans Frauen als „Männer, die sich für Frauen ausgeben“ beleidigt.

Zahlreiche Unterstützer:innen haben sich mittlerweile distanziert

Mittlerweile haben sich deshalb zahlreiche lesbische und queere Initiativen, sonst treue Unterstützer:innen des Lesbenfrühlingstreffen, schweren Herzens von der diesjährigen Veranstaltung distanziert. „Es tut uns richtig weh, dass wir unser Grußwort und den Workshop zurückziehen mussten“, sagt etwa Marion Lüttig vom LesbenRing im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Doch „die im Programm aufgeführten menschenrechtsverachtenden, rassistischen und trans*feindlichen Positionen sind für den LesbenRing untragbar“, heißt es in einer Pressemitteilung,

Auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH), die das LFT mit 2.700 Euro gefördert hatte, hat sich mittlerweile von der Veranstaltung distanziert. Das Programm beinhalte „explizit transfeindliche Programmpunkte“, so BMH-Vorstand Jörg Litwinschuh-Bartel, die Stiftung wirft dem LFT sogar Täuschung bei der Beantragung der Förderung vor.

Auch die Politik zieht ihre Unterstützung zurück

Bremens Frauensenatorin Claudia Bernhard von der Linken hat ihre Schirmfrauschaft und ihr Grußwort mittlerweile ebenfalls zurückgezogen. „Dass mit der Veröffentlichung des diesjährigen Programms deutlich geworden ist, dass trans*kritische bis trans*feindliche Positionen einen Platz bekommen und Trans*Personen selbst ausgeschlossen werden, ist für Senatorin Claudia Bernhard nicht vertretbar“, heißt es in einem Brief ihrer Behörde an die Veranstalterinnen.

Die Liste der Organisationen und Gruppen, die mit dem diesjährigen Lesbenfrühlingstreffen nichts zu tun haben wollen, wird immer länger: Sie reicht vom Bundesverband Trans* (BVT*) zum Dyke*-March und queeren Gruppen aus mehreren Bundesländern. „Die diesjährige Veranstaltung baut auf ein Programm, das trans* Lesben nicht nur ausschließt, sondern sich trans*feindlicher Narrative bedient und sich dabei nicht scheut, mit Begriffen wie ‚Genderideologie‘ das Vokabular rechtspopulistischer und antifeministischer Strömungen aufzugreifen“, heißt es etwa vom Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg.

Die Organisatorinnen sehen sich als Opfer

Die Organisatorinnen sind sich indessen keiner Schuld bewusst. Sie beklagen stattdessen eine „beispiellose Medienkampagne“. In einer Stellungnahme heißt es, auf den Lesbenfrühlingstreffen würden „immer auch brisante Themen zur Diskussion gestellt“ – deren Meinungen von den Veranstalterinnen nicht immer geteilt würden. Allerdings sei man offen für einen Dialog.

Doch genau das bezweifeln die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und der LesbenRing gegenüber dem Tagesspiegel „Wir gehen sehr gerne in die Debatte, aber nicht mit Menschen, die eine so vorgefertigte Meinung haben“, macht Marion Lüttig vom LesbenRing klar.