Vom Pornostar zum Anti-Gay-Aktivisten: Logan McCree will ins schottische Parlament

Der gebürtige Deutsche kandidiert für eine rechtsextreme Kleinpartei

Philipp Tanzer
Philipp Tanzer/Instagram

Heute wählt Schottland ein neues Parlament. Einer der Kandidaten dürfe den Konsumenten schwuler Pornografie besonders bekannt vorkommen: Der gebürtige Pforzheimer Philipp Tanzer, der als Logan McCree eine lange und erfolgreiche Karriere in gleichgeschlechtlichen Erwachsenenfilmen hatte, will nun für die LGBTI-feindliche Kleinpartei Scottish Family Party ins Parlament nach Edinburgh.

Nach seiner Porno-Karriere hatte er sein heterosexuelles „Erweckungserlebnis“

Nach dem Ende seiner Porno-Karriere wurde Tanzer zum „Männerrechts-Aktivisten“ und einem der bekanntesten „Ex-Schwulen“. Im Jahr 2011 sagte der ehemalige German Mr. Leather in einem Interview, er habe 13 Jahre lang nur Sex mit Männern gehabt – bis er 2010 mit einer Frau geschlafen und es sich „richtig angefühlt“ habe.

Im Jahr 2013 zog er in die schottischen Highlands, und wurde im 400-Seelen-Dorf Durness sesshaft. Er eröffnete einen eigenen Haar- und Massagesalon, in dem er auch seine eigene Kunst ausstellt. Außerdem ist er der Feuerwehrmann des Ortes. Inzwischen ist er in einer Beziehung mit einer Frau und denkt laut über eine Hochzeit nach.

Philipp Tanzer ist kein Freund des Frauenwahlrechts und gegen LGBTI-Aufklärung

Tanzers politische Ansichten sind unterdessen immer befremdlicher geworden. So sagte er 2020 in einer BBC-Dokumentation über das Frauenwahlrecht, das Recht zu wählen „kam mit der Pflicht, dem Land zu dienen, dem Militär beizutreten. Man könnte also in Frage stellen, ob dann alle Menschen dieselben Zuständigkeiten haben sollten“.

Bei der heutigen Regionalwahl in Schottland tritt Tanzer für die rechtsextreme Scottish Family Party an. Die Partei, die unter anderen LGBTI-feindlich und antifeministisch ist, ist eine Abspaltung der europafeindlichen UKIP. Diese Partei würde seine Ansichten über das Leben und die Gesellschaft am besten repräsentieren, sagte der 43-Jährige gegenüber der Boulevardzeitung Daily Mail.

Gegen härtere Strafen bei Hassverbrechen und ein Verbot von „Homo-Heilungen“

Einer der Hauptgründe für seine Kandidatur sei seine Erfahrung in Bezug auf Homosexualität und Pornografie und die Tatsache, dass er Menschen helfe, aus seiner Geschichte zu lernen. Im Wahlkampf sagte Tanzer in einem Livestream, es sei falsch, die Identität von queeren Menschen zu „bejahen“.

Dem britischen Bildungssystem warf er vor, es würde Kindern LGBTI-Lebensstile und Pornografie aufdrängen. Tanzer sagte, er unterstütze die Position seiner Partei, die „schwule und trans-affirmierende Indoktrination“ aus Schulen entfernen wolle. Die Partei ist unter anderem gegen Strafverschärfungen bei Hassverbrechen und ein Verbot von „Konversionstherapien“.

Realistische Chancen auf einen Sitz im schottischen Parlament hat Philipp Tanzer nicht. Meinungsumfragen sehen einen erneuten Sieg der sozialdemokratischen Scottish National Party (SNP) voraus, die sich für die Unabhängigkeit von Großbritannien starkmacht. Die Partei von Regierungschefin Nicola Sturgeon gilt als LGBTI-freundlich.