#OutInChurch bekommt Unterstützung von Bischöfen

Auch die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt die Aktion

Grundsätzlich positiv sind die Reaktionen vieler Würdenträger der römisch-katholischen Kirche auf die Initative #OutInChurch. Gestern hatten sich mehr als 120 Mitarbeitende der Kirche als nicht-heterosexuell geoutet. Nun fordern mehrere Bischöfe, dass diese Menschen nicht länger wegen ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden sollten.

„Wir haben ein Menschenbild, das uns sagt, dass die Person unbedingt von Gott geliebt ist“

Den Anfang machte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der sich schon vor zwei Jahren vom offiziellen Kurs des Vatikans zu Homosexualität distanziert hatte. „Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nach meinem Dafürhalten nicht im Sinne Jesu sein“, so der Hamburger Erzbischof in einer ersten Stellungnahme. Er bot den Aktivist:innen aus dem Erzbistum Hamburg auch ein gemeinsames Gespräch an.

Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz lobte der Aachner Bischof Helmut Dieser die Aktion. Er begrüße die Aktion „als ein Zeichen dafür, dass wir daran arbeiten, dass ein solches Klima der Angstfreiheit in unserer Kirche herrschen muss und entstehen muss“, sagte er in einer ersten Stellungnahme. Niemand dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität diskriminiert, abgewertet oder kriminalisiert werden, so der Bischof: „Wir haben ein Menschenbild, das uns sagt, dass die Person unbedingt von Gott geliebt ist.“

Die Situation für queere Mitarbeiter:innen in der Kirche sei „mehr als unbefriedigend“

Es gebe derzeit eine „mehr als unbefriedigende Situation“ für queere Mitarbeitende, gestand auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ein. „In der Beteiligung an der Kampagne ‚#outinchurch – für eine Kirche ohne Angst‘ sehen wir einen mutigen Schritt von 125 queeren Mitarbeitenden der katholischen Kirche aus dem ganzen Land“, heißt es in einer Stellungnahme. Er betonte, dass er Änderungen in der Sexualmoral der Kirche und im kirchlichen Arbeitsrecht für überfällig halte.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer betonte gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), der wertschätzende Umgang mit homosexuellen Menschen sei „völlig zu Recht ein wichtiges Thema des synodalen Weges“. Im synodalen Weg wollen deutsche Katholiken die Rolle der Kirche etwa in Fragen zur Sexualmoral oder zur Rolle der Frau in der Kirche diskutieren. Wilmer sagte weiters, dass die Kirche gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften würdigen müsse. Allerdings dürfe dadurch das Sakrament der (heterosexuellen) Ehe nicht infrage gestellt werden.

Bistümer wollen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für LGBTI-Mitarbeiter:innen ziehen

Die Aktion #OutInChurch wurde unter anderem von #ActOut inspiriert, einem Massen-Coming-Out deutscher Schauspieler:innen im letzten Jahr. Medial begleitet wurde das Kirchen-Coming-Out durch eine Dokumentation der ARD. In „Wie Gott uns schuf“ berichteten Mitarbeitende der römisch-katholischen Kirche, wie sie – rechtlich gedeckt – wegen ihrer sexuellen Orientierung gemobbt wurden. Rechtlich ist das in Ordnung: Denn derzeit dürfen die Kirchen in Deutschland – anders als Privatfirmen – queere Mitarbeiter:innen wegen ihrer sexuellen Identität kündigen.

Doch einige Bistümer sind hier weiter: „Ein offenes Bekenntnis zur Homosexualität hat in unserem Bistum keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen“, betont etwa Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bistums Essen. Auch der Trier Generalvikar Ulruch von Plettenburg erklärte, die Aktion zeige „die Wirklichkeit von sexueller Vielfalt in der Kirche und unter den kirchlichen Mitarbeitenden“ auf – queere Menschen sollten „in unserer Kirche natürlich eine Heimat haben und keine Repressionen fürchten müssen“.

Doch nicht überall gibt es positive Reaktionen: Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, schweigen etwa die Bistümer Regensburg und Passau zu diesem Thema. Ein Sprecher des Bistums Regensburg erklärte, daskirchliche Arbeitsrecht sehe für Personen mit anderen sexuellen Orientierungen keine besonderen Regelungen vor. Das Bistum Passau ließ ausrichten, dass man die Aktion nicht bewerten könne, da man zuwenig darüber wisse. Das Erzbistum Köln, dem der als LGBTI-feindlich geltende Rainer Maria Woelki vorsteht, hat sich bisher noch nicht offiziell geäußert.