Recherche zeigt: Kein Hotelzimmer für schwule WM-Fans in Katar

Journalisten-Recherche straft die Behauptungen der Organisatoren Lügen

Sujetbild: Fußball-WM Katar 2022
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Die Frage, ob auch schwule und lesbische Fans bei der Fußball-WM in Katar willkommen sind, beantworten verantwortliche Funktionäre gerne mit Ja. Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus, wie eine Recherche der öffentlich-rechtlichen Sender aus Norwegen, Schweden und Dänemark  beweist.

„Wir akzeptieren keine schwulen Paare“

So haben sich zwei Journalisten als frisch verheiratetes schwules Ehepaar aus Schweden ausgegeben und bei 69 Hotels angefragt, ob sie für ihre Flitterwochen ein Zimmer buchen könnten – zu einem noch festzulegenden Termin, unabhängig von der Fußball-WM. Das ernüchternde Ergebnis: Dreizehn Hotels antworteten nicht einmal. Drei Hotels erklärten, kein schwules Paar aufnehmen zu können, und zwanzig weitere Hotels knüpften die Buchung an die Bedingung, das Paar solle sich nicht als schwul zu erkennen geben.

So antwortete „The Torch Doha“, dass man dem Männerpaar aufgrund der Hotelrichtlinien keine Zimmer zur Verfügung stellen könne. „Wir akzeptieren keine schwulen Paare“, hieß es vom „Magnum Hotel & Suites Westbay“, und auch im „Wyndham Grand Regency“ war das schwule Paar nicht willkommen.

In vielen Hotels gibt’s das Zimmer nur, wenn das Paar sich nicht als schwul zu erkennen gibt

Zwanzig weitere Hotels erklärten dem Paar, sie könnten ein Zimmer nur dann buchen, wenn sie sich nicht als schwul zu erkennen geben, sich nicht „schwul kleiden“ würden und „kein sexuelles Verhalten zeigen“. So habe es in der Vergangenheit Vorfälle gegeben, bei denen die Polizei schwule Katarer aus dem Hotel geholt habe. „Wer Make-up aufträgt und sich schwul kleidet“ verstoße gegen die Richtlinien des Landes, wurde den Journalisten erklärt. „Anständig gekleidet“ heiße man das Paar aber willkommen.

Immerhin hatten 33 Hotels – knapp weniger als die Hälfte – bei der Buchungsanfrage keine (in der Antwort formulierten) Einwände. Von den Versprechungen der Organisatoren und der FIFA ist dieses Ergebnis aber trotzdem meilenweit entfernt: So hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino erst im März behauptet, „dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen“. Er hatte seinen Wohnsitz erst letztes Jahr in das Emirat verlegt.

Die schönen Worte der FIFA und der Organisatoren zerplatzen wie Seifenblasen

WM-Cheforganisator Hassan al-Thawadi betonte bereits 2019, schwule und lesbische Besucher:innen hätten in Katar nichts zu befürchten – solange sie ihre Zuneigung nicht öffentlich zeigten. Und Nasser al-Khater, Geschäftsführer des Organisationskomitees der Fußball-WM 2022, erklärte, Katar sei sehr gastfreundlich und tolerant – aber man müsse respektieren, dass es „ein sittsames Land“ sei – ohne genau zu erklären, was er unter „sittsam“ versteht.

Die Sender legten das Ergebnis ihrer Recherche auch ihren nationalen Fußballverbänden vor. Für Lise Klaveness, offen lesbische Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes, sind die Ergebnisse inakzeptabel. Sie würden nicht im Einklang mit dem stehen, was das WM-Organisationskomitee versprochen habe, so die norwegische Fußballchefin. „Und um sich sicher zu fühlen, müssen sie im Voraus wissen, dass sie sicher sein werden“, betont sie.

Das Ergebnis sei „inakzeptabel“, heißt es vom norwegischen Verband

Auch Jakob Jensen, der Vorstandschef des dänischen Fußballverbandes, bezeichnete die Ergebnisse der Recherchen als „enttäuschend“. Er betonte, die sexuelle Orientierung von Fans sei unerheblich und hoffe, dass die Situation bis zur WM im Herbst geklärt wird.

Beim WM-Organisationskomitee und der FIFA gibt man sich wortkarg. Mit dem Ergebnis der Recherche konfrontiert, erklärt der Weltfußballverband nur allgemein, man habe Katar auf das „Problem“ aufmerksam gemacht und sei „zuversichtlich“, dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Die Organisatoren in Katar erklärten, man bitte die Besucher „unsere kulturellen Normen zu respektieren“ und betonte den „Respekt für die Privatsphäre“. 

Katar: Bis zu sieben Jahre Haft auf homosexuelle Handlungen

Was damit wirklich gemeint ist, erklärt Amnesty International: So seien Frauen sowie lesbische, schwule, bisexuelle, trans und inter Menschen „sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben weiterhin diskriminiert“, so die Menschenrechtsorganisation in ihrem Jahresbericht. 

Denn in Katar droht auf homosexuelle Handlungen weiterhin eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Bestraft werden auch Ausländer: So wurde ein US-Amerikaner 1996 zu sechs Monaten Haft und 90 Peitschenschlägen verurteilt.