Freitag, 14. Juni 2024
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FIFA-Chef Infantino: „Auch LGBTI in Katar willkommen“

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Erneut hat FIFA-Präsident Gianni Infantino die Situation queerer Menschen in Katar verharmlost. „Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen“, so der 52-jährige Schweizer, der seinen Wohnsitz letztes Jahr in das Emirat verlegt hat. Menschenrechtsorganisationen sehen das deutlich anders.

Die Probleme im WM-Gastgeberland spielt Infantino herunter

Anlässlich der Auslosung der WM-Gruppen in der katarischen Hauptstadt Doha spielte er vielkritisierte Probleme, etwa bei den Arbeitsbedingungen, herunter: „Natürlich ist es kein Paradies. Natürlich ist es nicht perfekt. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber da müssen wir dranbleiben […] Wir müssen Veränderungen fördern“, so Infantino. 

Der Chef des Weltfußballverbandes ist überzeugt, dass es in Katar ein „Vermächtnis in Bezug auf Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte“ geben werde – weil das Emirat für die Fußball-WM die Gesetze geändert habe. Doch diese Ansicht teilen Menschenrechtsorganisationen nicht. So hatte erst zuletzt Amnesty International beklagt, dass Arbeitsmigranten „weiterhin von Ausbeutung betroffen“ seien und Schwierigkeiten hätten, ihren Arbeitsplatz zu wechseln.

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Amnesty International widerspricht dem FIFA-Präsidenten deutlich

Zusätzlich würden die Behörden das Recht auf Meinungsfreiheit vor der Endrunde noch stärker einschränken. Auch bei der Situation queerer Menschen teilt Amnesty das optimistische Urteil Infantinos nicht. Frauen sowie lesbische, schwule, bisexuelle, trans und inter Menschen seien „sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben weiterhin diskriminiert“, so die Menschenrechtsorganisation in ihrem Jahresbericht. 

Denn in Katar droht auf homosexuelle Handlungen weiterhin eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Bestraft werden auch Ausländer: So wurde ein US-Amerikaner 1996 zu sechs Monaten Haft und 90 Peitschenschlägen verurteilt. Theoretisch könnte auf gleichgeschlechtlichen Sex auch die Todesstrafe verhängt werden, allerdings ist nicht bekannt, dass es in den letzten Jahrzehnten deshalb Hinrichtungen gegeben hätte.

Der offen schwule australische Fußballer Josh Cavallo sagte deshalb er würde sich fürchten, an der Fußball-WM in Katar teilzunehmen. IAuf die Frage, ob er nach Katar gehen würde, wenn er nominiert werden würde, sagte er: „Ich habe so etwas gelesen, dass es die Todesstrafe für homosexuelle Menschen in Katar gibt. Das ist also etwas, was mir große Angst macht und ich würde nicht wirklich nach Katar gehen wollen.“

Auch die Fakten sprechen gegen Infantinos Behauptung

Allerdings reagieren die Behörden in Katar sehr sensibel, wenn es um Symbole der LGBTI-Community geht: So wurde im Dezember letzten Jahres Kinderspielzeug in Regenbogenfarben beschlagnahmt, weil es angeblich „anti-islamisch“ sei. Der Film „West Side Story“ darf nicht gezeigt werden, weil es dort eine trans Figur gibt.

Da helfen auch alle Beteuerungen verschiedener Offizieller nichts – auch, weil sie äußerst halbherzig klingen. So erklärte WM-Cheforganisator Hassan al-Thawadi bereits 2019 schwule und lesbische Besucher:innen hätten in Katar nichts zu befürchten – solange sie ihre Zuneigung nicht öffentlich zeigten.

Und Nasser al-Khater, Geschäftsführer des Organisationskomitees der Fußball-WM 2022, erklärte auf Cavallos Aussage, Katar sei ein „sehr gastfreundliches und tolerantes Land“. Man müsse allerdings respektieren, dass es „ein sittsames Land“ sei. „Ansonsten können Menschen ihr Leben hier frei leben“, so al-Kather – ohne genau zu erklären, was er unter „sittsam“ verstehe.

Erklärungsversuche aus Katar wirken eher befremdlich

Auch der katarische Botschafter in der Schweiz hat letztes Jahr mit seinem Versuch einer Erklärung eher für Verstörung gesorgt. „Unabhängig davon, ob jemand homosexuell ist oder aus welchem Land er stammt. Wir prüfen nicht, wer welche sexuelle Orientierung hat. Homosexuelle können bei uns die Spiele schauen und ins Restaurant gehen“, erklärte Mohammed Jaham al-Kuwari.

Auf die Nachfrage von Journalisten, ob sich gleichgeschlechtliche Paare auch öffentlich küssen oder Händchen halten könnten, antwortete der Botschafter: „Man muss sich an die Regeln halten. Als Gast fragt man sich doch immer, was in einem fremden Land gilt“ – und zog Parallelen zu Ungarn, wo Ministerpräsident Orbán gerade versucht, auf Kosten sexueller Minderheiten die Wahlen zu gewinnen.