Montag, 24. Juni 2024
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Wegen Regenbogenfarben: Katar konfisziert Kinderspielzeug

So "LGBTI-freundlich" ist das WM-Austragungsland wirklich

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Im Vorfeld der Fußball-WM bemüht sich Katar um ein tolerantes Image – auch gegenüber der LGBTI-Community. So erklärte der Cheforganisator der Weltmeisterschaft zuletzt im Nachrichtensender CNN, schwule und lesbische Fans dürften während der Weltmeisterschaft ihre Regenbogenflaggen schwenken. Doch hinter dieser Fassade sieht es ganz anders aus, wie das katarische Handelsministerium nun gezeigt hat.

Regenbogenfarben verstoßen gegen „islamische Werte“ und „Traditionen“

Wie die Behörde auf Twitter bekanntgab, sei bei „Inspektionskampagnen“ in Geschäften Kinderspielzeug gefunden worden, das „Slogans“ trage, die gegen „islamische Werte“ verstoße. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Erwachsenen-Spielzeug – sondern um ein „Fidget Toy“, einfache Anti-Stress-Spielzeuge in Regenbogenfarben, die an Luftpolsterfolie und die Pride-Flagge erinnern.

Eine weitere Erklärung gab es nicht. Das Ministerium rief außerdem alle Bürger:innen auf, Waren zu melden, die „gegen die Traditionen verstoßende Logos und Designs tragen“ – Praktiken, wie man sie eigentlich aus totalitären Überwachungsstaaten kennt.

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Öffentlich versucht Katar, sich als tolerant zu präsentieren

Für Katar kommt dieser Blick auf das wahre Gesicht des Emirats zur Unzeit: Das Emirat versucht gerade, sein Image im Vorfeld der Fußball-WM im nächsten Jahr aufzupolieren – und da ist die laute Kritik der LGBTI-Community äußerst lästig. So wurde etwa der englische Fußballer David Beckham um kolportierte 180 Millionen Euro als Gesicht für die Veranstaltung angeworben. Er erklärte, ihm sei versichert worden, dass auch LGBTI-Fans sicher seien und in den Stadien Regenbogenflaggen schwenken dürften.

Auch offizielle Vertreter betonen immer wieder auf Kritik, dass sich auch LGBTI-Fußballfans in Katar sicher fühlen könnten, wenn sie sich an die lokalen Regeln halten würden, oder spielen die Einschränkungen zurück. So zog der katarische Botschafter in der Schweiz zuletzt einen Vergleich mit Ungarn und meinte, auch in „demokratischen Ländern in Europa“ sei „nicht alles akzeptiert“.

Lesben und Schwulen drohen langjährige Haftstrafen

Hinter der Fassade sieht es aber anders aus: So meinte zuletzt der ägyptische Ex-Nationalspieler Mohamed Aboutrika, der beim katarischen Sportsender beIN als Experte arbeitet, Homosexualität widerspreche „dem gesunden Menschenverstand“ – einen Einwand oder eine deutliche Distanzierung von dieser Aussage gibt es bis heute nicht.

Menschenrechtsorganisationen werfen dem Land die Diskriminierung sexueller Minderheiten vor. Homosexualität steht in Katar noch immer unter Strafe: Wer seine Homosexualität öffentlich lebt, riskiert bis zu sieben Jahre Haft. Homosexuellen Muslimen könnte sogar die Todesstrafe drohen. In Deutschland forderte Alfonso Pantisano, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) sogar einen Boykott der Fußball-WM.