Lesben, Schwule und trans Frauen in Katar misshandelt und monatelang weggesperrt

Schwere Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation HRW gegen den WM-Gastgeber

Flagge von Katar
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Die Polizei in Katar hat offenbar willkürlich Angehörige sexueller Minderheiten festgenommen und misshandelt. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor, der letzte Woche veröffentlicht wurde. Die katarische Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Wiederholte Schläge und sexuelle Belästigung im Polizeigewahrsam

Die Menschenrechtsorganisation hat “sechs Fälle von schweren und wiederholten Schlägen und fünf Fälle von sexueller Belästigung in Polizeigewahrsam” aus den Jahren 2019 bis 2022 dokumentiert. Dabei handelt es sich um vier trans Frauen, eine bisexuelle Frau und einen schwulen Mann.

Sicherheitskräfte nahmen Menschen an öffentlichen Orten allein aufgrund ihres Geschlechtsausdrucks fest und durchsuchten rechtswidrig ihre Telefone. So seien sie von den Sicherheitskräften gezwungen worden, ihre Telefone zu entsperren und Screenshots von privaten Bildern und Chats zu machen und Kontaktinformationen anderer LGBTI-Personen zu teilen. Ein schwuler Mann gibt an, dass er aufgrund seiner Online-Aktivitäten überwacht und festgenommen wurde.

Betroffene waren zum Teil monatelang ohne Anklage in Haft

Außerdem sagten alle aus, in einem unterirdischen Gefängnis in Al Dafneh, einem Teil der Hauptstadt Doha, festgehalten worden zu sein. Dort sei es “von Ohrfeigen bis hin zu Tritten und Schlägen, bis sie bluteten”, gekommen, zitiert HRW die Betroffenen.

Sicherheitskräfte beschimpften die Betroffenen, erpressten Geständnisse und verweigerten den Häftlingen den Zugang zu Rechtsbeistand, Familienangehörigen und medizinischer Versorgung. Alle wurden ohne Anklageerhebung inhaftiert, in einem Fall für zwei Monate in Einzelhaft.

Trans Frauen mussten für Freilassung an „Konversionstherapie“ teilnehmen

Als Voraussetzung für ihre Freilassung mussten die trans Frauen an “Konversionstherapie”-Sitzungen in einem “Verhaltenshilfezentrum” teilnehmen, das von der Regierung mitfinanziert wurde. Außerdem mussten alle Erklärungen unterschreiben, in denen sie sich verpflichteten, “unmoralische Aktivitäten einzustellen”.

Dabei handelt es sich nicht um eine vergangene Praxis, die im Vorfeld der in wenigen Wochen stattfindenden Fußball-WM eingestellt wurde: Der jüngste Fall sei erst diesen September aufgetreten, so die Menschenrechtsorganisation.

HRW nimmt auch die FIFA in die Pflicht

“Nur wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft schlagen LGBT-Personen wegen der Übergriffe der Sicherheitskräfte Alarm”, so Rasha Younes von HRW. Sie nimmt wenige Wochen vor dem Start der Fußball-WM auch den Weltfußballverband FIFA in die Pflicht. Dieser solle die katarische Regierung dazu drängen, langfristige Reformen zu garantieren, mit denen LGBTI-Menschen vor Diskriminierung und Gewalt geschützt werden.

Die Regierung in Doha bestreitet die Vorwürfe: Katar dulde keine Diskriminierung, und man verpflichte sich zur Wahrung der Menschenrechte für alle, so ein Sprecher in einer Stellungnahme. Es gebe keine “Konversionszenten”, lediglich eine “Rehabilitationsklinik” für Drogenabhängige, Menschen mit Essstörungen oder “Gemütskrankheiten”.