Freitag, 1. März 2024
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FPÖ fordert Event-Absage wegen Candy Licious – doch die tritt gar nicht auf

Wenn blanker Populismus den Blick auf die Tatsachen verstellt, ist der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp oft nicht weit. Er fordert die Absage einer Drag-Queen-Veranstaltung, weil dort Candy Licious auftrete - doch das tut sie gar nicht.

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Die Stimmung ist angespannt: Am Sonntag soll in der Türkis Rosa Lila Villa eine Drag-Queen-Lesung für Kinder stattfinden. Zahlreiche rechte und erzkonservative Gruppierungen wollen vor dem Gebäude demonstrieren, auch Gegenkundgebungen sind geplant. Die Gefahr, dass queere Geflüchtete, die in der Villa wohnen, retraumatisiert werden, ist gegeben.

FPÖ-Chef ist empört, weil Drag Queen weiß, worüber sie spricht

Einer, der in dieser Situation Öl ins Feuer gießt, ist der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp. Er hat schon in der Vergangenheit gegen Drag-Queen-Lesungen für Kinder gewettert, so wie er es bei der erzkonservativen US-Republikanerkonferenz CPAC gehört hat.

Diesmal Grund für die Empörung: In ihrem Zivilleben hat die bekannte Wiener Drag Queen und Aktivistin Candy Licious eine sexualpädagogische Ausbildung. „Damit ist bestätigt, dass es sich bei solchen Veranstaltungen um eine Frühsexualisierung von Kleinkindern handelt und diese für Transgenderpropagandazwecke missbraucht werden“, wütet Nepp.

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Ein wichtiges Detail hat Dominik Nepp übersehen

Dass Drag Queens und trans Menschen eigentlich keine große gemeinsame Schnittmenge haben und der Begriff der „Frühsexualisierung“ unter Expert:innen unbekannt ist, kümmert den Chef der Wiener Freiheitlichen nicht. Seine Forderung: „Diese angebliche Kinderbuchlesung“ sei „sofort zu untersagen“.

Doch ein nicht ganz unwesentliches Detail dürfte Nepp übersehen haben. Denn Candy Licious tritt am Sonntag gar nicht in der Türkis Rosa Lila Villa auf. Denn diese Veranstaltung wird vom Team des beliebten Queen Brunch organisiert, der regelmäßig Veranstaltungen im Villa Vida Café anbietet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wiener FPÖ mit Falschinformationen Stimmung gegen sexuelle Minderheiten macht. So fühlte sich Klubchef Maximilian Krauss diskriminiert, weil der „Queen CityPass Wien“, ein touristisches Angebot mit Netzkarte und Ermäßigungen, billiger sei als die vergleichbare Vienna City Card des Wien Tourismus – und übersah dabei, dass die Standard-Netzkarte der Wiener Linien erheblich günstiger ist.

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